Teil eines Werkes 
4.-7. Bdchn (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

v

₰*N N

5

217

oder Unglückliches vorgefallen wäre, ſo hätteſt Du mir es im erſten Kuß zugerufen. Du weißt nichts?2“

„Leider nichts!“

„Ja, ich begreife,“ verſetzte bitter der junge Mann. „Ich war Gefangener, todt vielleicht! Man bezahlt ſeine Schulden einem Gefangenen nicht, und noch viel weniger einem Todten. Aber nun bin ich lebendig und frei, und man muß wohl mit mir abrechnen„ aus freien Stücken oder mit Gewalt, es muß ſein.“

„Oh! nehmt Euch in Acht, gnädiger Herr!“ rief Aloyſe.

„Sei ohne Furcht, Amme. Iſt der Herr Admiral in Paris?“

„Ja, gnädiger Herr. Er iſt angekommen und hat zehnmal hierher geſchickt, um ſich nach Eurer Rückkehr

zu erkundigen.“

„Gut. Und Herr von Guiſe?“

„Er iſt ebenfalls zurückgekehrt. Auf ihn zählt das Volk, um das Unglück Frankreichs wieder gut zu machen und die Schmerzen der Bürger zu heben.“

„Gott wolle, daß er keine Schmerzen finde, die man nicht wieder heben kann,“ ſagte Gabriel.

„Was Frau Diana von Caſtro betrifft, die man verloren glaubte,“ fuhr Aloyſe eiligſt fort,„ſo hat der Herr Connetable entdeckt, daß ſie Gefangene in Calais iſt, und man hofft ſie bald zu befreien.“

„Ich wußte es und hoffe es wie ſie,“ ſagte Gab⸗ riel mit ſeltſamem Ausdruck.„Aber,“ fuhr er fort,„Du ſprichſt mir nicht von dem, was meine eigene Gefan⸗ genſchaft ſo ſehr verlängert hat, von Martin⸗Guerre, von ſeiner verzögerten Botſchaft. Was iſt aus Martin geworden?“

„Gnädiger Herr, er iſt hier, der Taugenichts, der Dummkopf!“

„Wie! hier! Seit wann? Was macht er?,

„Er liegt da oben und ſchläft,“ antwortete Aloyſe, welche von dem armen Martin mit einem gewiſſen