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„Doch ich, Sire, ich weiß es,“ verſetzte Gabriel, eine furchtbare Angſt überwindend.„Mein Vater iſt ſeit achtzehn Jahren im Chatelet und erwartet dort den göttlichen Tod oder das menſchliche Mitleid. Mein Vater lebt, deſſen bin ich ſicher. Sein Verbrechen iſt mir nicht bekannt.“.
„Es iſt Euch nicht bekannt?“ fragte der König düſter und die Stirne faltend. 3
„Es iſt mir nicht bekannt, Sire; ſein Vergehen muß ſchwer ſein, daß es eine ſo lange Gefangenſchaft verdient hat, doch es iſt nicht unverzeihlich, da es nicht den Tod verdiente. Sire, hört mich. In achtzehn Jahren hat die Gerechtigkeit Zeit gehabt, zu entſchlum⸗ mern, und die Milde, zu erwachen. Die menſchlichen Leidenſchaften, die uns böſe oder gut machen, wider⸗ ſtehen einer ſo langen Dauer nicht. Mein Vater, der als Mann in den Kerker gekommen iſt, wird ihn als Greis verlaſſen. Hat er nicht geſühnt, ſo ſchuldig er auch ſein mag? Und wenn die Strafe zufällig zu hart war, iſt er nicht zu ſchwach, um ſich zu erinnern? Sire, gebt einen armen Gefangenen, der fortan ohne Gewicht iſt, dem Leben zurück. Chriſtlicher König, erinnert Euch der Worte des chriſtlichen Symbols und verzeiht die Schuld Anderer, damit Euch die Eurige verziehen werde.“
Dieſe letzten Worte wurden mit einem ſo bezeich⸗ nenden Ton geſprochen, daß der König und Frau von Valentinvis ſich anſchauten, als wollten ſie voll Schrecken eine Frage an einander richten.
Doch Gabriel wollte nur auf eine zarte Weiſe den ſchmerzlichen Punkt ihres Gewiſſens berühren, und er fügte eiligſt bei:
„Bemerkt, Sire, daß ich als treuer und gehor⸗ ſamer Unterthan zu Euch ſpreche. Ich ſage nicht zu Euch:„„Mein Vater iſt nicht gerichtet worden, man
hat meinen Vater insgeheim verurtheilt, ohne ihn zu Die beiden Dianen. I. 3


