Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
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165⁵

Man ſieht, daß die arme Amme vor Freude ver⸗ rückt war, aber Gabriel verſtand zum Glück nur ihre letzten Worte. Mit einem bittern Lächeln erwiederte er:

„Ja, ich bin gerettet, und dennoch, meine gute Aloyſe, werde ich nicht leben.“

„Wie ſo, gnädiger Herr?“ fragte Aloyſe, an allen Gliedern zitternd.

„Der Körper hat muthig Widerſtand geleiſtet,“ antwortete Gabriel,„doch die Seele, Aloyſe, glaubſt Du, die Seele ſei nicht tödtlich verletzt? Es iſt wahr, ich werde mich von dieſer langen Krankheit erholen, und ich laſſe mich heilen, wie Du ſiehſt. Doch zum Glück ſchlägt man ſich auf der Grenze, ich bin Kapitän der Garden, und mein Platz iſt da, wo man ſich ſchlägt. Sobald ich zu Pferde ſteigen kann, gehe ich dahin, wo mein Platz iſt. Und in der erſten Schlacht, die ich mitmache, Aloyſe, werde ich es ſo einrichten, daß ich nicht mehr zurückzukommen brauche.“

„Heilige Jungfrau! Ihr werdet Euch tödten laſſen! Und warum dies, gnädiger Herr, warum dies?“

„Warum? weil Frau von Poitiers geſchwiegen hat, Aloyſe, weil Diana vielleicht meine Schweſter iſt, und weil ich Diana liebe; weil der König vielleicht meinen Vater hat ermorden laſſen, und weil ich den König nicht ohne eine Gewißheit beſtrafen känn. Da ich nun weder meinen Vater rächen, noch meine Schwe⸗ ſter heirathen kann, ſo weiß ich nicht, was ich auf der Welt zu thun hätte. Deshalb will ich ſie verlaſſen.“

„Nein, Ihr werdet ſie nicht verlaſſen,“ ſprach Aloyſe mit dumpfem Tone und düſterer Miene.„Ihr werdet ſie nicht verlaſſen, gerade weil Ihr viel zu thun habt, weil Euch ein ſchreckliches Geſchäft obliegt, dafür ſtehe ich Euch. Doch hievon werde ich mit Euch erſt an dem Tag ſprechen, wo Ihr völlig wiederhergeſtellt ſeid, und wo mir Meiſter Noſtradamus die Verſicherung gibt, daß Ihr mich hören könnt, und daß Ihr die Kraft dazu habt.“ 6