Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

164

„Das iſt gut. Welchen Tag des Monats haben wir heute?“

„Dienſtag den vierten Auguſt, gnädiger Herr.“

„Am ſiebenten iſt es alſo zwei Monate, daß ich mich auf mein Schmerzensbett niedergelegt habe.“

„Oh! wie erinnert ſich der gnädige Herr deſſen?“ rief Aloyſe zitternd.

„Ja, ich erinnere mich, Aloyſe, ich erinnere michz aber,“ fügte er traurig bei,„wenn ich nichts vergeſſen habe, ſo ſcheint es mir dagegen, daß man mich vergeſſen hat; Niemand iſt gekommen, um ſich nach mir zu er⸗ kundigen, Aloyſe?“

„Doch, gnädiger Herr,“ erwiederte mit zitternder Stimme Aloyſe, welche ängſtlich auf dem Geſichte ihres jungen Gebieters die Wirkung ihrer Worte verfolgte; „eine Zofe Namens Jacinthe kam zweimal jeden Tag, um ſich nach Eurem Befinden zu erkundigen. Aber ſeit vierzehn Tagen, ſeitdem ſich eine merkliche Beſſerung erklärt hat, kommt ſie nicht mehr.“

„Sie kommt nicht mehr!.. und weißt Du war⸗ um, Amme?“

„Ja, gnädiger Herr. Ihre Gebieterin hat, wie mir Jaeinthe das letzte Mal ſagte, vom König die Er⸗ laubniß erhalten, ſich wenigſtens bis zum Ende des Krieges in ein Khſter zurückzuziehen.“

„Wahrhaftig!“ ſagte Gahriel mit einem ſanften, ſchwermüthigen Lächeln.

Und während eine Thräne, die erſte, die er ſeit zwei Monaten vergoß, langſam über ſeine Wange ſtoß, fügte er bei:

„Theure Diana!“

„Oh! gnädiger Herr,“ rief Aloyſe außer ſich vor Freude,„Ihr habt dieſen Namen ausgeſprochen, ohne

eine Erſchütterung, ohne darüber ohnmächtig zu werden.

Meiſter Noſtradamus hat ſich getäuſcht. Der gnädige

Herr iſt gerettet, der gnädige Herr wird leben, und ich brauche meinen Schwur nicht zu brechen.“

1 i ( (