Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

162

mächtige Schmerz in dem ſo ſchwachen Gehirn wäre gräßlich! So weit man einen Menſchen nach den Zügen ſeines Geſichtes und dem Blicke ſeiner Augen beurthei⸗ len kann, iſt Euer Herr, Aloyſe, kein oberflächlicher Menſch, und hier waͤre ſein energiſcher, mächtiger Wille nur eine Gefahr mehr und es könnte, an dem Unmöglichen gebrochen, das Leben mit ihm brechen.“

„Jeſus! mein Kind würde ſterben!“ rief Aloyſe.

„Es wäre wenigſtens Gefahr vorhanden, daß wie⸗ der eine Hirnentzündung einträte,“ ſprach Noſtradamus. „Doch es gibt immer Mittel, vor ſeinen Augen einen Schimmer der Hoffnung glänzen zu laſſen. Er würde nach der entfernteſten, nach der flüchtigſten Möglichkeit greifen und wäre gerettet.“

„Dann wird er gerettet,“ ſprach Aloyſe mit düſterer Miene,„ich werde meineidig, doch er wird gerettet ſein. Herr Noſtradamus, ich danke Euch.“

Es verging eine Woche und Gabriel ſchien ſeinen Geiſt, wenn nicht zu finden, doch wenigſtens zu ſuchen. Seine noch irren und ausdrucksloſen Augen befragten die Geſichter und die Gegenſtände; dann fing er an die Bewegungen zu unterſtutzen, die man ihm verleihen wollte, ſich allein aufzurichten, und den Trank zu neh⸗ men, den ihm Noſtradamus reichte.

Aloyſe ſtand unermüdlich zu ſeinen Häupten und wartete. 8

Nach Verlauf einer weiteren Woche konnte Ga⸗ briel ſprechen. Es war noch nicht völlig Licht in dem Chaos ſeines Verſtandes; er ſprach nur unzuſammen⸗

hängende Worte ohne Folge, welche jedoch Bezug auf

Thatſachen ſeines vergangenen Lebens hatten. Mehr noch, Aloyſe zitterte, wenn der Arzt da war, er könnte eines von ſeinen Geheimniſſen errathen.

Sie tänſchte ſich nicht gänzlich in ihren Befürch⸗

tungen, und eines Tags rief Gabriel in ſeinem fieber⸗ haften Schlafe in Gegenwart von Noſtradamus:

„Sie glauben, ich heiße Vicomte d'Exmes, Nein⸗

.

———