liebt. Als wir noch mit einander unter dem Schatten der Bäume von Vimoutiers ſpazieren gingen, hattet Ihr für mich nur eine ſchweſterliche Liebe.“
„Ich war damals ein Kind,“ ſagte Diana;„ich hatte nicht ſechs Jahre der Einſamkeit von Euch ge⸗ träumt; meine Liebe war nicht mit mir gewachſen; ich hatte nicht zwei Monate inmitten eines Hofes ge⸗ lebt, wo die Verdorbenheit der Sprache und der Sitten mich dennoch nicht mehr unſere reine und heilige Lei⸗ denſchaft lieben machen konnte.“
„Das iſt wahr, das iſt wahr, Diana.“
„Doch Ihr, Freund,“ ſprach Diana,„ſagt nun Eurerſeits, was Ihr an Ergebenheit und Liebesgluth in Euch habt. Oeffnet mir Euer Herz, wie ich Euch das meinige entſchleierte. Wenn meine Worte Euch wohl⸗ gethan haben, ſo laßt mich auch Eure Stimme ſagen hören, wie ſehr Ihr mich liebt, und wie Ihr mich liebt?“
2„Oh! ich weiß es nicht, ich kann es Euch nicht ſagen! fragt mich nicht hierüber; fordert nicht, daß ich mich ſelbſt frage, es iſt zu gräßlich!“
„Gabriel!“ rief Diana ganz beſtürzt,„Eure Worte ſind ſchrecklich, fühlt Ihr das nicht? Wie? Ihr wollt mir nicht einmal ſagen, daß Ihr mich liebet!“
„Ob ich Dich liebe, Diana! ſie fragt mich, ob ich ſie liebe! ja, ich liebe Dich wie ein Wahnſinniger, wie ein Verbrecher vielleicht.“
„Wie ein Verbrecher!“ verſetzte Frau von Caſtro erſtaunt,„welches Verbrechen kann in unſerer Liebe liegen? Sind wir nicht Beide frei? Wird nicht mein Vater zu unſerer Verbindung einwilligen? Gott und die Engel freuen ſich über eine ſolche Liebe!“
„Herr, mache, daß ſie Dich nicht läſtert,“ rief Gabriel in ſeinem Innern,„wie ich vielleicht vorhin gottesläſterlich war, als ich mit Aloyſe ſprach.“
„Aber was iſt es denn?“ fuhr Diana fort.„Mein Freund, Ihr ſeid doch nicht krank? Woher kommen


