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ſei gebenedeit unter allen Weibern, weil ſie viel ge⸗ liebt?“
Diana von Poitiers änderte ihre Haltung, und ſtreckte ſich, die Augen halb geſchloſſen, nachläßig in ihrem Lehnſtuhle aus.
„Wo will er hinaus mit ſeiner Rede?“ dachte ſie.
„Ihr ſeht alſo, Madame,“ fuhr Gabriel fort,„die Liebe iſt für mich heilig; mehr noch, ſie iſt allmächtig in meinen Augen. Lebte der Gemahl von Frau von Caſtro noch, ich würde Frau von Caſtro lieben und es nicht einmal verſuchen, einen unwiderſtehlichen Inſtinkt zu beſiegen. Nur die falſche Liebe läßt ſich bändigen, die wahre Liebe aber kann man eben ſo wenig vermei⸗ den, als befehlen. Ihr ſelbſt, Madame, auserkohren und geliebt von dem größten König der Welt, müßt deshalb nicht vor der Berührung einer aufrichtigen Leidenſchaft geſchützt ſein, und hättet Ihr derſelben nicht zu widerſtehen vermocht, ſo würde ich Euch beklagen und beneiden, aber nie verdammen.“
Dafſelbe Schweigen von Seiten der Herzogin von
Valentinois. Ein ſpöttiſches Erſtaunen war das ein⸗
zige Gefühl, das ſich auf ihrem Geſichte ausprägte. Gabriel ſprach mit noch mehr Wärme, als wollte er dieſe eherne Seele an den Flammen der ſeinigen erweichen:
„Ein König verliebt ſich, und das iſt ganz ein⸗ fach, in eine bewunderungswürdige Schönheit; Ihr ſeid gerührt von dieſer Liebe, doch Euer Herz, das ſie er⸗ wiedern will, kann es dies nothwendig? Ach! nein. Aber an der Seite des Königs ſieht Euch ein Edelmann, ſchön, muthig, ergeben; er liebt Euch, und dieſe Lei⸗ denſchaft dunkler, aber nicht minder mächtig, erreicht Eure Seele, in welche der Geiſt eines Königs nicht ein⸗ zudringen vermochte; ſeid Ihr nicht auch Königin, Kö⸗ nigin durch die Schönheit, wie der Fürſt, der Euch liebt, König durch die Macht iſt? Beſteht nicht unter Euch unabhängige und freie Gleichheit? Sind es die Titel, welche die Herzen gewinnen? Wer konnte Euch


