92
halben Stunde Martin⸗Guerre wieder erſcheinen ſah, und zwar in andern Kleidern. Er machte ihm hierüber eine Bemerkung. Martin⸗Guerre erwiederte, der Abend ſei ihm etwas friſch vorgekommen, und er habe es für geeignet erachtet, ſich wärmer zu kleiden. Uebrigens ſei er immer noch ſo ſehr mit dem Leibrockund mit den Strumpfho⸗ ſen zufrieden, daß er komme, um den Schneider zu bit⸗ ten, ihm einen Leibrock von demſelben Tuch und demſelben Schnitt zu kaufen oder zu machen. Vergebens bemerkte der Kleiderhändler Martin⸗Guerre, er würde das Ausſehen haben, als trüge er beſtändig denſelben Anzug, und es wäre beſſer für ihn, wenn er ein anderes Coſtume be⸗ ſtellte, einen gelben Leibrock und braune Strumpfhoſen zum Beiſpiel, da er dieſe Farben zu lieben ſcheine; Martin⸗Guerre wollte nicht von ſeinem Gedanken ab⸗ gehen, und der Schneider mußte ihm verſprechen, nicht einmal die Nuance der Kleider zu verändern, die er ihm ſchleunigſt machen ſollte, da er keine fertige hatte. Nur verlangke er für dieſe zweite Beſtellung ein wenig Cre⸗ dit. Er hatte den erſten Einkauf hübſch bezahlt, er war Stallmeiſter beim Vicomte d'Ermès, dem Kapitän der Leibwachen des Königs; der Schneider beſaß jenes heldenmüthige Vertrauen, das zu jeder Zeit die ge⸗ ſchichtliche Apanage der Leute ſeines Standes geweſen iſt; er willigte daher auch ein und verſprach, am näch⸗ ſten Tag das zweite Coſtume vollſtändig zu liefern.
Die Stunde, welche Gabriel vor den Pforten ſei⸗ nes Paradieſes hatte umhergehen müſſen, war indeſſen abgelaufen, und er konnte mit vielen anderen Herren und Damen in die Gemächer der Königin dringen.
Mit dem erſten Blick gewahrte Gabriel Diana; ſie ſaß bei der Dauphine Königin, wie man von da an Maria Stuart nannte.
Sie auf der Stelle anzureden, wäre für einen Neu⸗ angekommenen ſehr kühn und ohne Zweifel ein wenig unklug geweſen. Gabriel entſchloß ſich alſo, einen gün⸗
ſtigen Augenblick abzuwarten, den Augenblick, wo das
—————


