Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

88

Schimmer einer Laterne, welche ein Schließer in der Hand hielt, ein.

Gabriel ſah nun ein ſchweigſames, furchtbares Ge⸗ mälde, wie man es nur beim Alpdrücken des Deliriums ſieht.

Als Wände überall Stein, ſchwarzer, mooſiger, übelriechender Stein; denn dieſer finſtere Ort war tiefer ausgehöhlt als das Bett der Seine, und das Waſſer erfüllte ihn halb bei größerem Steigen. Auf dieſen dunkeln Wänden krochen klebrige Thiere; die eiſige Luft wiederhallte von keinem Geräuſch, wenn nicht von dem eines Waſſertropfens, der regelmäßig und dumpf von dem häßlichen Gewölbe herabfiel.

Etwas weniger als dieſer Waſſertropfen, etwas

mehr als dieſe unbeweglichen Schnecken lebten hier zwei menſchliche Geſchöpfe, das eine das andere bewa⸗ chend, Beide düſter und ſtumm.

Der Schließer, eine Art von Simpel, ein Rieſe mit dummem Auge und bleicher Geſichtsfarbe, ſtand im Schatten und betrachtete mit albernem Blick den Gefangenen, der in einer Ecke, die Hände und die Füße mit einer in die Mauer genieketen Kette gefeſſelt, auf einem elenden Strohlager ausgeſtreckt lag. Es war ein Greis mit weißem Bart und weißen Haaren. Als man eintrat, ſchien er zu ſchlafen und rührte ſich nicht; man hätte ihn für einen Leichnam oder für eine Bild⸗ ſäule halten können. Doch plötzlich ſetzte er ſich auf, öffnete die Augen, und ſein Blick heftete ſich auf den Blick von Gabriel.

Es war ihm verboten, zu ſprechen; doch dieſer furchtbare und zugleich herrliche Blick ſprach. Gabriel war bezaubert davon. Der Gouverneur unterſuchte mit dem Schließer alle Winkel des Kerkers. Wie an den Boden genagelt, rührte ſich Gabriel nicht von der Stelle; er blieb ganz niedergeſchmettert durch dieſe Flammenaugen und konnte ſich nicht davon losmachen,

9 n n n d n 2 1