Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
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einer Entweichung zuvorzukommen, geht ſein Schließer jede Minute in ſein Gefängniß.“

„Doch er hat mit dem Schließer geſprochen?“ ſagte Gabriel.

„Oh! man hat einen Taubſtummen für ihn ge⸗ nommen, der im Chatelet geboren iſt und dieſes nie verlaſſen hat.“

Gabriel ſchauerte. Dieſer ſo völlig von der Welt der Lebenden getrennte Menſch, der jedoch lebte und dachte, flößte ihm ein Mitleid ein, das mit einem ge⸗ wiſſen Abſcheu gemiſcht war. Welcher Gedanke oder welcher Gewiſſensbiß, welche Furcht vor der Hölle oder welches Vertrauen zum Himmel konnten ein ſo un⸗ glückliches Weſen abhaiten, ſich die Hirnſchale an den Mauern ſeines Kerkers zu zerſchmettern? War es eine Hoffnung oder eine Rache, was ihn noch an das Leben kettete?

Gabriel empfand eine Art von unruhiger Begierde, dieſen Menſchen zu ſehen; ſein Herz ſchlug, wie es bis jetzt nur in den Augenblicken geſchlagen hatte, wo er Diana wiederſehen ſollte. Er hatte hundert Gefangene mit einem alltäglichen Mitleid beſucht. Doch dieſer zog ihn an und rührte ihn mehr als alle Andere, und die Angſt ſchnürte ihm ſeine Bruſt zuſammen, indem er an dieſes grabartige Daſein dachte.

„Gehen wir in Nro. 24,“ ſprach er mit ſeltſam bewegtem Tone zu dem Gvouverneur.

Sie ſtiegen mehrere ſchwarze, feuchte Treppen hinab und durchſchritten verſchiedene Gewölbe, den gräßlichen Spiralen der Hölle von Dante ähnlich. Dann blieb der Gouverneur vor einer eiſernen Thüre ſtehen und ſprach:

„Es iſt hier. Ich ſehe den Wächter nicht, ohne Zweifel iſt er im Gefängniß; doch ich habe doppelte Schlüſſel. Treten wir ein.“

Er öffnete in der That, und ſie traten beim