65
Namens hat der Herzog von Guiſe unter ſeiner Hand alle militäriſche Kräfte von Frankreich, der Car⸗ dinal alle Finanzen, ein dritter meine Galeeren in Marſeille, ein vierter befehligt in Schottland, und ein fünfter wird Briſſac in Piemont erſetzen; ſo daß ich, der König, in meinem ganzen Reiche weder über einen Soldaten, noch über einen Thaler ohne ihre Einwilli⸗ gung verfügen kann. Ich ſgreche ſanft mit Dir, Diana, und erkläre Dir die Dinge; ich bitte, während ich be⸗
fehlen könnte. Doch ich will lieber Dich ſelbſt zum
Richter machen, und nicht der König, ſondern der Va⸗ ter ſoll es von ſeiner Tochter erhalten, daß ſie ſeinen Plänen beitritt. Ich werde dies erlangen, denn Du biſt gut und ergeben. Dieſe Heirath rettet mich, mein Kind, ſie verleiht den Montmoreney die Gewalt, die ſie den Guiſen entzieht. Sie macht die zwei Schalen der Wage gleich, deren Balken meine königliche Macht iſt, Guiſe wird minder ſtolz, und Montmorench mehr er⸗ geben ſein. Nun? Du antworteſt nicht, mein Kind; wirſt Du taub bleiben für die Bitten Deines Vaters, der Dir keine Gewalt anthut, der Dir nicht mit Unge⸗ ſtüm begegnet, der im Gegentheil in Deine Gedanken eingeht, und Dich nur anfleht, ihm den erſten Dienſt nicht zu verweigern, mit dem Du ihm bezahlen kannſt, was er für Dich gethan hat und noch für Deine Ehre und Dein Glück thun will. Nun! Diana, meine Toch⸗ ter, willigſt Du ein, ſprich?“
„Sire,“ erwiederte Diana,„Ihr ſeid tauſendmal mächtiger, wenn Eure Stimme fleht, als wenn ſie be⸗ fiehlt. Ich bin bereit, mich Euren Intereſſen zu opfern, doch unter einer Bedingung, Sire.“
„Nenne ſie, verwöhntes Kind.“
„Dieſe Heirath darf erſt in drei Monaten ſtattfin⸗ den, und bis dahin werde ich Aloyſe um Nachricht von Gabriel bitten laſſen, und überdies alle mögliche Er⸗ kundigungen einziehen, damit ich, wenn er nicht mehr
Die beiden Dianen. 1. 5


