„Der liebe Franz! wie ſie ihn plagen,“ ſagte Maria zu ihren Schwägerinnen.
„Haltet Euch doch rühig, Frau Dauphine, daß ich wenigſtens dieſe Nadel befeſtigen kann,“ ſprach lachend die kleine Margarethe;„was für eine ſchöne Erfindung iſt es doch um die Nadeln, und wie ſehr verdient der, welcher ſie im vorigen Jahr erſonnen hat, ein großer Mann zu ſein!“ fügte ſie bei.
„Und wenn die Nadel geſteckt iſt,“ ſagte die zarte Eliſabeth,„ſo will ich dem armen Franz trotz dieſer böſen Geiſter öffnen, denn ich leide dadurch, daß ich ihn leiden ſehe.“
„Ah! Du begreifſt das, Eliſabeth,“ verſetzte ſeuf⸗ zend Maria Stuart,„und Du denkſt an Deinen edlen Spanier Don Carlos, den Sohn des Königs von Spanien, der uns in Saint⸗Germain ſo ſehr gehuldigt und ſo ſehr beluſtigt hat.“
„Sieh da!“ rief boshafter Weiſe und in die Hände klatſchend die kleine Margarethe,„Eliſabeth erröthet es iſt nicht zu leugnen, er war muthig und ſchön, ihr Caſtilianer.“
„Stille doch!“ vermittelte Diana von Caſtro, die älteſte Schweſter,„es iſt nicht gut, Margarethe, wenn ſich Schweſtern unter einander ſo verſpotten.“
Es konnte in der That nichts Reizenderes geben, als den Anblick dieſer vier verſchiedenartigen und ſo vollkommenen Schönheiten, dieſer Blüthenknospen! Diana ganz Reinheit und Sanftmuth; Eliſabeth Ernſt und Zärtlichkeit; Maria Stuart herausforderndes Schmachten; Margarethe funkelnde Unbeſonnenheit. Bewegt und entzückt, konnte Heinrich ſeine Augen nicht von dieſem reizenden Schauſpiel abwenden.
Er mußte ſich jedoch entſchließen, einzutreten.
„Der König!“ rief man einſtimmig.
Ale erhoben ſich und liefen auf den König und Vater zu, nur Maria Stuart blieb ein wenig zurück
und zog ſachte den Riegel, der Franz gefangen hielt.


