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zurück und überbrachte einen Brief, der mit dem Wappen des Hauſes Lothringen verſiegelt war.
Die ſechs abgelaufenen Jahre waren an unſerem alten Freund Gabriel beinahe ſpurlos vorübergegangen; ſeine Züge hatten nur einen männlicheren, entſchiedeneren Cha⸗ rakter angenommen; man errieth nun in ihm einen Mann, der ſeinen eigenen Werth geprüft und kennen gelernt hat. Doch es war immer dieſelbe reine, ernſte Stirne, derſelbe redliche, offene Blick, und, ſagen wir es ſogleich, daſſelbe Herz voll Jugend und Illuſion. Er war auch kaum erſt vierundzwanzig Jahre alt.
Der Herzog von Guiſe zählte ſiebenunddreißig, und obgleich er eine edle, großherzige Natur beſaß, war doch ſein Gemüth von vielen Orten zurückgekommen, wohin das von Gabriel noch nie gegangen, und mehr als ein geſchei⸗ tertes Aufſtreben, mehr als ein vergeblicher Kampf hatten ſein Auge vertieft und ſeine Schläfe entblößt. Dennoch begriff und liebte er den ritterlichen und ergebenen Cha⸗ rakter von Gabriel, und eine unwiderſtehliche Sympathie zog den erfahrenen Mann zu dem vertrauensvollen Jüng⸗ ling hin.
Er nahm aus ſeinen Händen den Brief ſeines Bru⸗ ders und ſprach, ehe er ihn öffnete:
„Hört, Vicomte d'Ermés, Hervé von Thelen, mein Geheimſchreiber, den Ihr kanntet, iſt unter den Mauern von Valenza geſtorben; mein Bruder Aumale iſt nur ein
muthiger Soldat, aber unfähig; ich bedarf eines tüchtigen
Armes und eines Vertrauten, Gabriel. Seitdem Ihr mich in Paris in meinem Hauſe vor fünf oder ſechs Jahren aufgeſucht, habe ich mich, wie ich glaube, überzeugen
können, daß Ihr ein erhabener Geiſt und, was noch beſſer
iſt, ein treues Herz ſeid. Ich kannte Euch nur dem Na⸗
men nach, und jeder Montgommery iſt brav; doch Ihr waret mir durch Niemand empfohlen, und dennoch habt
Ihr mir ſogleich gefallen; ich nahm Euch mit mir zur
Vertheidigung von Metz, und wenn dieſe Vertheidigung
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