Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchn (1847)
Entstehung
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ſte mit einer ganz feierlichen und ernſten Miene und mit einem tiefen Seufzer:

„Die Pflicht.“

Ihr reizendes Antlitz hatte einen ſo troſtloſen und zu⸗ gleich ſo komiſchen Ausdruck, daß Gabriel, darüber ent⸗ zückt, ſich eines Lachens nicht erwehren konnte; er nahm zwiſchen ſeine Hände die reine Stirne des Kindes und küßte ſie wiederholt; doch ſie entfernte ſich lebhaft und rief:

„Rein, mein Freund, keine Schäkereien mehr. Mein Gott! mein Gott! ſie ſind mir nun verboten.“

„Was wird Enguerrand ihr Alles erzählt haben?“ ſagte Gabriel, in ſeinem Irrthum verharrend, zu ſich ſelbſt. „Liebſt Du mich denn nicht mehr, meine theute Diana?“ fügte er bei.

„Ich Dich nicht mehr lieben!“ rief Diana.„Wie kannſt Du ſolche Dinge annehmen und ſagen, Gabriel? Biſt Du nicht der Freund meiner Kindheit und der Bru⸗ der meines ganzen Lebens? Haſt Du mich nicht ſtets mit der Güte und Zärtlichkeit einer Mutter behandelt? Wenn ich lachte und wenn ich weinte, wen fand ich da unabläßig an meiner Seite, um meine Heiterkeit oder meinen Kum⸗ mer zu theilen? Dich, Gabriel!. Wer trug mich, wenn ich müde war? wer half mir meine Lectionen ler⸗ nen? wer ſchrieb ſich meine Fehler zu und theilte meine Strafe, wenn er ſie nicht auf ſich allein nehmen konnte? abermals Du! Wer erfand tauſend Spiele für mich? wer machte mir ſchöne Sträuße auf den Wieſen? wer nahm mir Stieglitzneſter aus? immer Du! ich habe Dich aller Orten und jeder Zeit gut, freunvlich und mir ergeben ge⸗ funden. Gabriel, Gabriel, ich werde Dich nie vergeſſen, und ſo lange ich lebe, wirſt Du in meinem Herzen leben; ich hätte Dir gern mein Daſein und meine Seele gegeben, und ich träumte nie von Glück, als indem ich von Dir träumte: doch deſſen ungeachtet müſſen wir uns leider trennen, um uns ohne Zweifel nie wiederzuſehen.“

Die beiden Dianen. 1. 2