Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 9.-12. Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Wie hatte ſich dieſer reine Mann, wie hatte ſich dieſes Herz ohne Beimiſchung plötzlich geändert?

Nein, er hat ſich noch nicht geändert, ſagte ſich da ſeufzend die Königin,er iſt im Begriff, ſich zu än⸗ A dern. Er iſt im Begriff, ſich zu ändern! Eine ſchreck⸗ liche Ueberzengung für die Frau, welche mit Leiden⸗ ſchaft liebt, unerträglich für die Frau, welche mit ſei Stolz liebt. ¹ Die Königin liebte aber Charny zugleich mit Lei⸗ denſchaft und mit Stolz. 1 Die Königin litt alſo durch zwei Wunden. 1 Und in dem Angenblick, zu welchem ſie gelangt war, in dem Augenblick, wo ſie das Böſe, das ſie ge⸗ ma than, das Unrecht, das ſie gehabt, wahrgenommen hatte, war es gleichwohl noch Zeit, es wieder gut zu machen.

Doch es war kein geſchmeidiger Geiſt, der Geiſt dieſer gekrönten Frau. Sie konnte ſich nicht entſchlie⸗ ßen, ſelbſt bei einer ungerechtigkeit, ſich zu beugen; die einem Gleichgültigen gegenüber hätte ſie vielleicht Seelengröße gezeigt oder zeigen wollen, und dann würde grö ſie vielleicht um Verzeihung gebeten haben. Aber dem⸗ jenigen, welchen ſie mit einer zugleich ſo lebhaften und gro ſo reinen Zuneigung beehrt, demjenigen, welchen ſie zur St Theilnahme an ihren geheimſten Gedanken zugelaſſen ſich hatte, glaubte die Königin nicht die geringſte Einräu⸗ mung machen zu müſſen. hun

Das Unglück der Königinnen, welche einen Unter⸗ b thanen zu lieben ſich herablaſſen, iſt, daß ſie ihn immer em als Königinnen und nie als Frauen lieben.

Dieſe ſchätzte ſich zu einem ſo hohen WVerthe, daß nh ſie glaubte, nichts Menſchliches könne ihre Liebe be⸗ ſe zahlen, nicht einmal das Blut, nicht einmal die Thränen, A

Von dem Augenblick, wo ſie ſich eiferſüchtig au n Andrée gefühlt, hatte ſie moraliſch ſich zu verringern entd angefangen.

Folge ihrer Verringerung, ihre Launen.