18
„Wenn er aber nicht uns gehört, Madame?“
„Gehört er nicht uns, ſo iſt er unſer Gefangener, und ich werde die entſchiedenſten Befehle geben, daß man ihn nicht aus dem Schloſſe weggehen läßt.“
In dieſem Augenblicke hörte man den Ton einer Glocke.
„Was iſt das?“ fragte die Königin.
„Die Sturmglocke,“ antwortete Charny.
Die Prinzeſſinnen ſtanden erſchrocken auf.
„Nun,“ ſagte die Königin,„was habt Ihr? Die Sturmglocke, das iſt der Tambour der Aufrührer.“
„Madame,“ ſprach Charny, der durch dieſes un⸗ ſelige Geräuſch mehr als die Königin bewegt zu ſein ſchien, ich will mich erkundigen, ob dieſe Sturmglocke etwas Ernſtes bedeutet.“
„Und man wird Sie wiederſehen?“ fragte raſch die Königin.
„Ich bin gekommen, um mich zu den Befehlen Eurer Majeſtät zu ſtellen, und ich werde Sie nur mit dem letzten Schatten der Gefahr verlaſſen.“
Charny verbeugte ſich und ging ab.
Die Königin biieb einen Angenblick nachdenkend.
„Wir wollen ſehen, ob der König gebeichtet hat,“ murmelte ſie.
Und ſie ging ebenfalls hinaus.
Während dieſer Zeit entledigte ſich Madame Eliſa⸗ beth einiger Kleidungsſtücke, um ſich bequemer auf ein Canapé zu legen.
Sie nahm aus ihrem Halstuche eine Nadel von Karneol und zeigte ſie Madame Campan; es war ein gravirter Stein.
Die Gravure ſtellte ein Büſchel Lilien mit einer Umſchrift vor.
„Leſen Sie,“ ſagte Madame Eliſabeth.
und las:
Madame Campan näherte ſich einem Candelaber


