Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 21.-26. Bändchen (1855) Mémoires d'un médecin
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

zen war die Reiſe von Varennes eine große Lehre für ſie geweſen. Bis zu dieſem Moment hatte die Re⸗ volution in ihren Augen die Höhe eines Syſtems von Herrn Pitt, einer Intrigne des Herzogs von Orleans nicht überſchritten; ſie glanbte, Paris werde durch einige Rädelsführer geleitet; ſie ſagte mit dem König:Un⸗ ſere gute Provinz!

Sie hatte die Provinz geſehen: die Provinz war mehr revolutionär geweſen, als Paris!

Die Nationalverſammlung war ſehr altersſchwach, ſehr geiſtesarm, ſehr hinfällig, um muthig dieVerbindlich⸗ keiten zu halten, welche Barnave in ihrem Namen über⸗ nommen hatte; war ſie nicht überdies dem Sterben nahe? Die Umarmung einer Sterbenden war nicht ſehr geſund! Die Königin erwartete alſo, wie geſagt, Weber mit großer Bangigkeit.

Die Thüre öffnete ſich: ſie wandte raſch die Augen nach dieſer Seite. Doch ſtatt des guten, dicken öſterrei⸗ chiſchen Geſichtes ihres Milchbruders ſah ſie das ſtrenge, kalte Geſicht des Doctor Gilbert erſcheinen.

Die Königin liebte ihn nicht, dieſen Royaliſten mit

den conſtitutionellen Theorien, welche ſichbei ihm ſo ſehr feſtgeſtellt, daß ſie ihn als einen Republicaner betrachtete; und dennoch hatte ſie eine gewiſſe Achtung vor ihm; ſie hätte ihn weder bei einer körperlichen, noch bei einer moraliſchen Kriſe holen laſſen; war er aber einmal da, ſo unterwarf ſie ſich ſeinem Einfluſſe.

Als ſie ihn erblickte, bebte ſie.

Sie hatte ihn ſeit dem Abend der Riückkehr von Varennes nicht geſehen.

Sie ſind es, Doctor? murmelte ſie.

Gilbert verbengte ſich und erwiederte:

Ja, Madame, ich bin es Ich weiß daß Sie Weber erwarteten; doch die Neuigkeiten, die er Ihnen bringt, bringe ich noch genauer als er. Er war auf

ſit

he ſel

fu üb

ha gin