Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 11.-16. Bändchen (1853) Mémoires d'un médecin
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

u n⸗ er en 6

389

Die Königin gab einen Schrei des Schmerzes von ſich und ſagte zum König:

Oh! Sire, Alles, Alles eher, als ſolche Schänd⸗ lichkeiten!

Und ſie nahm den Dauphin, der auf ſeinem Bette völlig eingeſchlafen war, lief an das Fenſter, öffnete es und ſprach:

Sire, zeigen wir uns dem Volke, wir wollen ſehen, ob es ganz brandig iſt. In dieſem Falle rufen wir die Soldaten auf und feuern wir ſie mit der Stimme und der Geberde an. Das iſt das Wenigſte, was die⸗ jenigen verdienen, welche für uns ſterben ſollen.

Der König folgte ihr maſchinenmäßig und erſchien mit ihr auf dem Balcon.

Der ganze Platz, auf den die Blicke von Ludwig XVI. und Marie Antoinette niedertauchten, bot das Schauſpiel einer lebhaften Aufregung.

Eine Hälfte der Huſaren von Herrn von Choiſeul war zu Fuße, die andere zu Pferde; diejenigen, welche zu Fuße waren, ließen vermengt mit den Gruppen der Bürger, verloren unter dem Volke, ihre Pferde von die⸗ ſem in allen Richtungen fortziehen: ſie waren ſchon für die Nation gewonnen. Die Anderen, die zu Pferde ſaßen, ſchienen noch Herrn von Choiſeul, der ſie deutſch haranguirte, zu gehorchen; doch ſie zeigten ihrem Ober⸗ ſten die Hälfte ihrer Kameraden, welche abfielen.

Auf der Seite haltend, mit ſeinem Jagdmeſſer in der Hand, ſchien Iſidor von Charny, dieſem ganzen Ge⸗ wirre fremd, auf einen Menſchen zu warten, wie ein Jäger auf dem Anſtand auf das Wild wartet.

Der Ruf:Der König! der König! erſcholl bald aus dem Munde von fünfhundert Menſchen.

Es zeigten ſich wirklich der König und die Königin am Fenſter; die Königin hielt, wie geſagt, den Dau⸗ phin in ihren Armen.