*
388
Die Königin näherte ſich dem König und ſprach leiſe zu ihm:
„Gut! gut! Sire, wagen wir unſer Leben, geben wir aber nicht unſere Ehre und unſere Würde preis.“
„Und wenn wir uns weigern, Eurer Majeſtät zu gehorchen,“ verſetzte der Commandant der Nationalgarde, „was wird die Folge ſein?“
„Die Folge wird ſein, mein Herr, daß ich die Ge⸗ walt anrufe, und daß Sie verantwortlich werden für das Blut, welches fließen zu laſſen ich mich weigerte, und das in dieſem Falle in Wirklichkeit durch Sie vergoſſen werden wird.“
„Wohl, es ſei, Sire,“ ſprach der Commandant, „verſuchen Sie es, Ihre Huſaren zu Hülfe zu rufen, ich werde die Nationalgarde aufbieten.“
Und er ging ebenfalls hinab.
Der König und die Königin ſchauten ſich beinahe erſchrocken an; vielleicht würde weder der Eine, noch die Andere einen äußerſten Verſuch gewagt haben,— wäre nicht, ihre Großmutter, welche fortwährend am Fuße des Bet⸗ tes betete, auf die Seite ſchiebend, die Frau des An⸗ walts Sauſſe hinzugetreten und hätte zu der Königin mit der derben Offenherzigkeit des Weibes aus dem Volke geſagt:
h Madame, Sie ſind wirklich die Königin, nicht wahr?“
Die Königin wandte ſich um: ſie fühlte ſich durch ſe mehr als vertrauliche Frage in ihrer Würde ver⸗ etzt.
„Ja,“ antwortete ſie,„wenigſtens glaubte ich es bis vor einer Stunde.“
„Nun! wenn Sie die Königin ſind,“ fuhr Frau Sauſſe ganz ruhig fort,„man gibt Ihnen vierundzwan⸗ zig Millionen, daß Sie Ihren Platz behaupten. Da der
Platz gut bezahlt iſt, wie mir ſcheint, warum wollen
Sie ihn verlaſſen?“
*


