Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 7.-10. Bändchen (1853) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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nicht irgend ein Herumſchwärmer ſich verſtohlen dem Pachthoſe nähere oder ſich daraus entferne. Auf was er in der Stille horchte, war, ob nicht irgend ein geheim⸗ nißvoller Ruf vom Zimmer von Catherine mit den Gruppen der die Landſtraße einfaſſenden Weiden oder den die Ebene vom Walde trennenden Gräben corre⸗ ſpondire. Was ſein Blick ſo lebhaft die Erde befragte, war, ob ſie nicht den Eindruck eines Trittes bewahrt habe, der durch ſeine Leichtigkeit oder ſeine Kleinheit die Ariſtokratie verrathen hätte.

Was Catherine betrifft, ſo fühlte ſie, obgleich ſich das Geſicht ihres Vaters für ſie gemildert hatte, nichts⸗ veſtoweniger fortwährend jeden Augenblick das väter⸗ liche Mißtrauen um ſie hergehen. Eine Folge hievon war, daß ſie ſich in ihren langen, einſamen, angſt⸗ vollen Winternächten fragte, ob ſie es vorziehen würde, wenn Iſidor nach Bourſonnes zurückkäme, oder wenn er von ihr entfernt bliebe.

Die Mutter Billot hatte ihr Pflanzenleben wieder aufgenommen: ihr Mann war zurückgekehrt, ihre Toch⸗ ter hatte ihre Geſundheit wiedererlangt; ſie ſchaute nicht über dieſen beſchränkten Horizont hinaus, und es wäre ein viel geübteres Auge als das ihrige nöthig ge⸗ weſen, um in der Tiefe des Geiſtes ihres Gatten den Verdacht, in der Tiefe des Herzens ihrer Tochter die Angſt zu ſuchen.

Pitou, nachdem er mit einer Miſchung von Stolz und Traurigkeit ſich an ſeinem Kapitänstriumphe ge⸗ weidet hatte, war wieder in ſeinen gewöhnlichen Zuſtand, das heißt in eine ſanfte wohlwollende Melancholie verfallen. Nach ſeiner gewoͤhnlichen Regelmäßigkeit beſuchte er am Morgen die Mutter Colombe. Waren keine Briefe für Catherine da, ſo kam er traurig nach Haramont zurück, denn er dachte, wenn Catherine an einem Tage keine Briefe von Iſidor erhalte, ſo werde ſie keine Gelegenheit haben, an denjenjgen zu denken, welcher ſie ihr bringe.