32 „Ah! Du biſt es, mein lieber Gamain,“ ſagte Ludwig XVI.;„es freut mich ſehr, Dich zu ſehen; in der That, ich zählte nicht mehr auf Dich; ich glaubte,
Du habeſt mich vergeſſen.“
„Und darum nahmen Sie einen Geſellen 2“ ver⸗ 1 ſetzte Gamain;„Sie haben wohl daran gethan, das war Ihr Recht, da ich nicht anweſendz leider aber,“ fügte er mit einer ſchlauen Geberde bei,„leider iſt Ge⸗ ſelle nicht Meiſter, wie?“
Der Geſelle machte dem König ein Zeichen.
„Was willſt Du, mein armer Gamain,“ ſprach Ludwig XVI.,„man hatte mich verſichert, Du wolleſt mich weder von fern, noch von nahe mehr ſehen: man ſagte, Du befürchteſt, Dich zu gefährden.“
„Bei meiner Treue, Sire, Sie konnten ſich in Ver⸗ ſailles überzeugen, daß es nicht gut that, zu Ihren Freunden zu gehören, und ich habe ganz in meiner Nähe — von Herrn Leonard ſelbſt— in der kleinen Schenke des Pont de Sövres zwei Köpfe von Garden, welche ein abſcheuliches Geſicht ſchnitten, friſiren ſehen, weil ſie ſich in ſ Augenblick, wo Ihnen Ihre guten Pariſer einen Beſuch machten, in Ihren Vorzimmern befunden hatten.“ Eeine Wolke zog über die Stirne des Königs, und der Geſelle neigte das Haupt.
„Doch man ſagt,“ fuhr Gamain fort,„man ſagt, es gehe beſſer, ſeitdem Sie nach Paris zurückgekehrt ſeien, und Sie machen nun mit den Pariſern, was Sie wollen. Ah! bei Gott, varüber darf man ſich nicht wundern, Ihre Pariſer ſind ſo dumm, und die Koͤnigin iſt ſo ſchmeich⸗ leriſch, wenn es ihr beliebt.“
Ludwig XVI. antwortete nichts, eine leichte Röthe ſtieg ihm aber zu den Wangen empor. n
Der junge Mann ſchien ungeheuer unter den Ver⸗ traulichkeiten zu leiden, die ſich Meiſter Gamain erlaubte.
„ Nachvem er ſeine von Schweiß bedeckte Stirne mit einem Taſchentuche abgewiſcht hatte, welches für das eines


