Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny, 1. und 2. Bändchen (1852) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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würden Sie ſehen, daß Sie ſich nicht ſo ſehr, als Sie glauben, hierüber zu beklagen haben.“

„Laſſen Sie hoͤren,“ ſprach die Königin mit einem nervöſen Lächeln.„Sie wiſſen, daß es mir ſehr lieb iſt, wenn man mich aufklärt, Herr Doctor. Sprechen Sie, ich höre, ich warte.“

„Madame, mit Recht oder mit Unrecht hat man dieſem Volke geſagt, es werde in Verſailles ein großer Mehlhandel getrieben, und deshalb komme kein Mehl mehr nach Paris. Wer nährt dieſes arme Volk? Der Bäcker und die Bäckerin des Quartiers. Gegen wen ſtrecken der Vater, die Mutter, ver Sohn flehend ihre Hände aus, wenn in Ermangelung von Geld das Kind, die Frau oder der Vater Hungers ſierben2 Gegen dieſen Bäcker, gegen dieſe Bäckerin. Wen fleht der Arme nach Gott an, der die Ernten wachſen macht? Diejenigen, welche das Brod austheilen. Sind nicht Sie, Madame, iſt nicht der König, iſt nicht ſelbſt dieſes erhabene Kind, ſind Sie nicht alle Drei die Ausſpender des Brodes von Gott? Wundern Sie ſich alſo nicht über den ſüßen Namen, den Ihnen dieſes Volk gibt, und danken Sie ihm für die Hoffnung, daß es, ſo bald der König, die Königin und der Herr Dauphin in der Mitte von zwölfma hunderttauſend Hunge⸗ rigen ſein werden, dieſen zwölfmalhunderttauſend Hungerigen an Nichts mehr fehlen werde.“

Die Königin ſchloß ein paar Secunden die Augen, und man ſah ſie eine Bewegung mit dem Kinnbacken und dem Halſe machen, ols verſuchte ſie es, ihren Haß zugleich

mit dem ſcharfen Speichel, der ihr die Kehle verbrannte,

hinunter zu ſchlucken.

„Und was es ruft dieſes Volk, was es vort vor uns, hinter uns ruft, müſſen wir ihm auch dafür danken, wie für die Spottnamen, die es uns gibt, wie für die Lieder, die es uns fingt?“

„Ohl ja, Madame, und zwar noch aufrichtiger; denn

dieſes Lied, welches es ſingt, iſt nur der Ausdruck ſeiner