152 Der Chevalier von Harmental.
ſchritten voran bis zu Harmental's Zimmer. Dort wartete ein Gefangenwärter, welcher ihnen die Thür öff⸗ nete; Ravul und Bathilde traten ein, die Thür ſchloß ſich wieder und die beiden Gatten befanden ſich allein.
Jetzt vermochte Bathilde, die ſich bisher Gewalt angethan hatte, ihrem Schmerze nicht mehr zu gebieten; ſie ſtieß einen herzzerreißenden Schrei aus, rang ver⸗ zweiflungsvoll die Hände und ſank in einen Lehnſeſſel. Ravul warf ſich vor ihr auf die Knie und verſuchte ſie zu tröſten. Aber er ſelbſt hatte keine Worte— nur Thränen.
Kaum hatten ſie eine halbe Stunde auf dieſe ſchmerz⸗ liche Weiſe verbracht, als ſich Schritte näherten und ein Schlüſſel im Schloß der Thür gedreht wurde. Ba⸗ thilde ſchauderte zuſammen und preßte Harmental krampfhaft an ihre Bruſt. Ravul begriff die Angſt, welche ſie erfaſſen mußte und beruhigte ſie. Noch war der ſchreckliche Augenblick nicht da; es war eilf Uhr Nachts und erſt um acht Uhr Morgens ſollte die Hin⸗ richtung ſtattfinden. Es war der Gouverneur welcher er⸗ ſchien.„Herr Chevalier,“ ſprach er,„haben Sie die Güte mir zu folgen.“
„Allein?“ fragte Harmental traurig auf Bathil⸗ den blickend.


