140 Der Chevalier von Harmental.
genten.„Wir ſind an Ort und Stelle,“ ſprach die Prin⸗ zeſſin auf Bathilden blickend, welche heftig wankte und zitterte; denn der Gedanke, daß jetzt der entſcheidende Augenblick nahe, raubte ihr jede Kraft und Faſſung.
„Muth, Muth, mein liebes Kind!“ fuhr die Prinzeſ⸗ ſin fort;„mein Vater iſt gut! Treten Sie ein, werfen Sie ſich ihm zu Füßen— der Himmel und ſein Herz werden das Uebrige thun!“
Da Bathilde aber noch immer zögerte, öffnete ſie die Thür, ſchob das bebende Mädchen hinein, ſchloß die Thür wieder und kehrte mit leichten Schritten zum Her⸗ zog von Richelien zurück. Bathilde, welche ſo plötzlich ſich ſelbſt überlaſſen war, ſtieß einen leichten Schrei aus, ſo daß der Regent, welcher ſinnend im Zim⸗ mer auf⸗ und abging, das Haupt erhob und ſie erblickte.
Bathilde, unfähig ein Wort über die Lippen zu bringen, ſank auf ihre Knie nieder, zog den oft erwähn⸗ ten Brief hervor und ſtreckte mit demſelben flehend ihre Hand gegen den Regenten hin.
Der Herzog ſtaunte und trat auf ſie zu. In dieſem Augenblicke aber fühlte ſich Bathilde von ihrer Seelen⸗ angſt ſo überwältigt, daß ſie umgeſunken wäre, hätte der Regent ſie nicht aufrecht gehalten..
„Mein Gott, Mademvoiſelle!“ rief der Herzog von


