Der Chevalier von Harmental. 9
zu zertreten, aber er begegnete nur denen der Madame Denis, welche ſein leiſes Umhertappen als eine ihr ge⸗ zollte Huldigung betrachtete und ſich daher mit coquetter Freundlichkeit gegen ihn wendete.
„Herr Ra oul,“ ſprach ſie,„Sie kommen alſo, um ſich jung und unerfahren allen Verführungen der Haupt⸗ ſtadt auszuſetzen?“
„Sie ſehen,“ nahm ſchnell der Abbé Brigaud das Wort, weil er beſorgte, der Chevalier möchte hierbei aus ſeiner Rolle fallen,„Sie ſehen in dieſem jungen Manne den Sohn eines meiner Freunde, der mir ſehr theuer war(er wiſchte die Augen mit der Serviette); hoffentlich wird er der Erziehung Ehre machen, die ich ihm zu Theil werden ließ, denn trotz dem daß es nicht eben den Anſchein hat, wie Sie ſehen, beſitzt mein Zögling doch Ehrgeiz.“
„Und er hat Recht,“ fiel Madame Denis ein; „wenn man die Geſtalt und die Talente des jungen Herrn beſitzt, kann man auf alles Anſprüche machen.“
„Ei, ei, Madame Denis,“ entgegnete der Abbé Brigaud,„wenn Sie mir ihn gleich beim erſten Be⸗ ſuch verderben, werde ich ihn nicht wieder mit zu Ihnen bringen; nehmen Sie ſich in Acht! Ravul, mein lieber Sohn,“ fuhr er in einem väterlichen Tone zu Harmen⸗


