17
Inſtinct ihm ſagte, ich ſollte ihm entkommen, näherte er ſich mir immer mehr. Er war nur noch drei Schritte von mir, und dennoch hörte ich weder das Geräuſch ſeines Ganges, noch das ſeines Athmens. Man hätte glauben ſollen, es ſei ein phantaſtiſches Thier, ein Wolfsgeſpenſt!
Nichtsdeſtoweniger ging ich immer weiter. Ich ſchritt über den Ballſpielplatz, ich gelangte auf den Raum, den man das Parterre nennt, eine unbe⸗ deckte, glatte Wieſe, wo ich keine Gruben zu fürchten hatte. Der Wolf war ſo nahe bei mir, daß er, hätte ich plötzlich angehalten, mit der Naſe an meine Knie⸗ beugen geſtoßen haben würde. Ich hatte die größte Luſt, mit dem Fuße zu ſtampfen, die Hände an ein⸗ ander zu ſchlagen und einen ſchweren Fluch auszu⸗ ſtoßen; doch ich wagte es nicht; hätte ich es gewagt, ſo wäre er ohne Zweifel geflohen, oder er würde ſich wenigſtens für den Angenblick entfernt haben.
Ich brauchte zehn Minuten, um den Weg über die Wieſe zurückzulegen, und ich kam an die Ecke der Schloßmauer.
Hier blieb der Wolf ſtehen; es war kaum hundert und fünfzig Schritte von der Stadt.
Ich ging meines Weges, ohne mich mehr zu beeilen; er ſetzte ſich, wie er es ſchon gethan, auf ſein Hinter⸗ theil und ſchaute mir nach.
Als ich hundert Schritte von ihm entfernt war, gab er ein drittes Geheul, das noch hungeriger und kläglicher, als die zwei andern, von ſich, und hierauf antworteten mit gemeinſchaftlicher Stimme die fünfzig Hunde von der Meute des Herzogs von Bourbon.
Dieſes Geheul war der Ausdruck ſeines Beklagens,
daß er nicht ein wenig in mein Fleiſch hatte beißen 3
können; es war nicht möglich, ſich hierin zu täuſchen.
Ich weiß, nicht, ob er die Nacht auf der Stelle
zubrachte, wo er angehalten hatte, doch kaum fühlte Catherine Blum. 2


