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geſenkt hatte und nicht mehr zu wiſſen ſchien, daß Jean Valjean zugegen ſei. In dieſem Augenblick machte ein Inſtinct, vielleicht der geheimnißvolle Inſtinct der Selbſt⸗ erhaltung, daß Jean Valjean kein Wort ſprach. Der Bettler hatte denſelben Wuchs, dieſelben Lumpen, daſſelbe Ausſehen wie alle Tage.—„Bah!“ dachte Jean Valjean,„ich bin verrückt! ich träume! unmöglich!“
Und dennoch kehrte er ſehr unruhig nach ſeiner Woh⸗ nung zurück.
Kaum wagte er ſich ſelbſt zu geſtehen, daß das Ge⸗ ſicht, welches er zu ſehen geglaubt hatte, das Geſicht Javerts war.
Während der Nacht, indem er darüber nachdachte, be⸗ reute er es, den Menſchen nicht befragt zu haben, um ihn zu zwingen, zum zweiten Male den Kopf zu erheben.
Am nächſten Tage kehrte er mit Anbruch der Nacht zu dem Bettler zurück. Er ſaß an ſeinen gewöhnlichen Platz.
„Guten Abend, Alter,“ ſagte Jean Valjean entſchloſſen, indem er ihm einen Sou gab.
Der Bettler erhob den Kopf und antwortete mit kläg⸗ licher Stimme:
„Ich danke, mein guter Herr.“
Es war ganz gewiß der alte Küſter.
Jean Valjean fühlte ſich vollkommen beruhigt. Er lachte.„Wie Teufel habe ich denn nur Javert geſehen?“ dachte er.„Sollte ich denn jetzt blind ſein?“
Er dachte nicht weiter daran.
Einige Tage darauf, es mochte acht Uhr Abends ſein, war er in ſeinem Stübchen und ließ Coſette laut luchſta⸗ biren. Da hörte er die Thür der Baracke öffnen und wieder ſchließen. Das kam ihm befremdend vor. Die Alte,
welche allein mit ihm in dem Hauſe wohnte, ging ſtets mit
Anbruch der Nacht zu Bett, um kein Licht brennen zu


