Teil eines Werkes 
2. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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V. Ein Fünffrancsſtück.

In der Nähe der Kirche von Saint Medard pflegte auf dem Rande eines eingegangenen Brunnens ein Armer zu kauern, den Jean Valjean gern ein Almoſen gab. Er ging ſelten an ihm vorüber, ohne ihm einen Sou zu geben. Zuweilen ſprach er mit ihm. Die, welche auf dieſen Bettler neidiſch waren, dachten, er gehörte zu der Po⸗ lizei. Es war ein alter fünfundſiebenzigjähriger Küſterge⸗ hülfe, der beſtändig ſeine Gebete murmelte.

Eines Abends, als Jean Valjean hier vorüber kam, ohne Coſette bei ſich zu haben, bemerkte er den Bettler an ſeiner gewöhnlichen Stelle unter der eben angezündeten Laterne. Dieſer Menſch ſchien ſeiner Gewohnheit nach zu beten, und war ganz zuſammengebückt. Jean Valjean trat zu ihm und legte ihm ſein gewöhnliches Almoſen in die Hände. Der Bettler erhob plötzlich die Augen, ſah Jean Valjean ſcharf an und ſenkte dann raſch wieder den Kopf. Dieſe Bewegung war wie ein Blitz, aber Valjean erbebte darüber. Es ſchien, als hätte er bei dem Scheine der Laterne nicht das fromme Geſicht des alten Küſters geſehen, ſon⸗ dern ein entſetzliches ihm wohlbekanntes Geſicht. Er empfand ein Gefühl, als hätte er plötzlich im Dunkeln einen Tiger gegenüber geſtanden. Er wich erſchrocken und erſtarrt zurück, wagte aber weder zu athmen noch zu ſprechen, weder zu bleiben noch zu fliehen, und betrachtete den Bettler, der den mit einem Lumpen bedeckten Kopf wieder

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