Teil eines Werkes 
2. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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ſchah auch zuweilen, daß er einen Armen begegnete, der ihn um ein Allmoſen bat; dann blickte er ſich um, ob auch Niemand ihn ſehe, näherte ſich vorſichtig dem Unglücklichen, drückte ihm ein Geldſtück in die Hand, meiſtens ein Silber⸗ ſtück, und entfernte ſich raſch. Das hatte ſeine Uebelſtände. Man fing an, ihn in dem Stadtviertel unter den Namen der Bettler, welcher Almoſen giebt, zu bezeichnen.

Die alte Hauptmietherin, ein altes, grämliches Weib, welches dem Nächſten gegenüber die Aufmerkſamkeit der Neidiſchen beſaß, beobachtete Jean Valjean ſehr genau, ohne daß er es ahnte. Sie war ein wenig taub, was ſie ſchwatzhaft machte. Es blieben ihr von ihrer Vergangenheit zwei Zähne, der eine oben, der andere unten, welche ſie ſtets aufeinanderbiß. Sie hatte Fragen an Coſette gerichtet, die nichts wußte und deshalb auch nichts ſagen konnte, aus⸗ genommen, daß ſie von Montfermeil kam. Eines Morgens bemerkte dieſe Spionin Jean Valjean, welcher mit einem Weſen, daß ihr beſonders zu ſein ſchien, in eines der un⸗ bewohnten Gemächer der Baracke trat. Sie folgte ihn mit Katzenſchritten und konnte, ohne ſelbſt geſehen zu werden, durch eine Spalt der Thür ſehen. Jean Valjean hatte ſich ohne Zweifel zu größerer Sicherheit mit dem Rücken gegen die Thür geſtellt. Die Alte ſah, daß er in die Taſche griff, daraus ein Beſteck zog, Scheere und Zwirn, das Futter ſeines einen Rockflügels auftrennte und daraus ein Stück gelbliches Papier zog, das er entfaltete. Die Alte erkannte voll Schrecken, daß es eine Tauſendfranksnote war, die zweite oder dritte, die ſie erblickte, ſeitdem ſie auf der Welt war. Ganz erſchrocken eutfloh ſie.

Einen Augenblick darauf kam Jean Valjean zu ihr und bat ſie, ihn das Tauſendfrancsobillet zu wechſeln, indem er hinzufügte, es ſei die halbjährige Rente, die er den Tag zuvor empfangen hätte.

Wo? dachte die Alte.Er iſt erſt um ſechs Uhr