Teil eines Werkes 
2. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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müſſen unſere Gedanken dahin ausſprechen, daß bei dem Punkte, auf welchem Jean Valjean ſtand, als er Coſette zu lieben begann, er vielleicht dieſer Auffriſchung des Lebens bedurfte, um im Guten zu beharren. Er hatte aus neuen Geſichtspunkten die Bosheit der Menſchen, das Elend der menſchlichen Geſellſchaft erblickt und unvollkommen nur eine verhängnißvolle Seite der Wahrheit geſehen: das Loos des

Welbes, dargethan in Fantine, die öffentliche Autorität ver⸗

körpert in Javert; er war nach dem Bagno zurückgebracht worden, und diesmal, weil er Gutes gethan hatte. Neue Bitterkeit erfüllte ihn; Widerwille und Ueberdruß bemäch⸗ tigten ſich ſeiner; ſelbſt die Erinnerung an den Biſchof war der Verdunkelung nahe, vielleicht um ſpäter deſto ſtrahlender und triumphirender wieder zu erwachen; allein dieſe heilige Erinnerung wurde ſchwächer. Wer weiß, ob Jean Valjean nicht auf dem Punkte ſtand, entmuthigt zu werden und zurück⸗ zuſinken? Er liebte und wurde wieder heftig geliebt. Ach, er war kaum weniger ſchwach geweſen, wie Coſette. Er beſchützte ſie und ſie ſtärkte ihn. Dank ihm, konnte ſie in das Leben eintreten; Dank ihr, konnte er in der Tugend beharren. Er wurde die Stütze dieſes Kindes, und dieſes Kind wurde ſein Haltepunkt.

O, unergründliches und göttliches Myſterium des Gleich⸗ gewichts der Geſchicke!