Teil eines Werkes 
2. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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er außerdem noch zärtliche Erinnerungen der Jugend gehabt, ſo waren ſie in einen Abgrund geſunken.

Als er Coſette ſah, als er ſie zu ſich genommen, fort⸗ getragen und befreit hatte, fühlte er ſein ganzes Inneres ſich verwandeln. Alles was er Leidenſchaftliches und Herz⸗ liches in ſich hatte, erwachte und ſtrömte dieſem Kinde ent⸗ gegen. Er trat an das Bett, auf dem die Kleine ſchlief und zitterte vor Freude; er empfand Regungen wie eine Mutter und wußte nicht, was das war, denn es iſt eine dunkle und herrliche Sache, dieſe große eigenthümliche Be⸗ wegung eines Herzens, das zu lieben beginnt. Das arme alte, ganz neue Herz!

Da er aber fünfundfünfzig Jahre alt war und Coſette acht Jahre, ergeß ſich Alles, was er von Liebe in ſeinem Leben gefühlt haben konnte, in ein einziges unendliches Licht.

Es war die zweite weiße Erſcheinung, die ihm ent⸗ gegentrat. Der Biſchof führte an ſeinem Horizonte die Morgenröthe der Tugend herauf; Coſette ließ an demſelben die Morgenröthe der Liebe erſcheinen.

Die erſten Tage verfloſſen in dieſer Verblendung.

Coſette ihrerſeits wurde ebenfalls, ohne es zu wiſſen, anders, das arme kleine Weſen! Sie war ſo klein, als ihre Mutter ſie verließ, daß ſie ſich nicht mehr an dieſelbe er⸗ innerte. Gleich allen Kindern hatte ſie, ähnlich der Wein⸗ reben, die ſich an Alles, dem ſie nahe kommen, anzuſchließen trachten, zu lieben verſucht. Es war ihr nicht gelungen. Alle hatten ſie zurückgeſtoßen; die Thenardiers, deren Kinder, die andern Kinder. Sie hatte den Hund geliebt, doch dieſer war todt. Dann hatte kein Weſen etwas von ihr wiſſen wollen, kein Menſch. Mt acht Jahren war ſchon ihr Herz erkaltet. Das durfte nicht als ihre Schuld betrachtet wer⸗ den, denn es fehlte ihr nicht die Fähigkeit, zu lieben, ſondern leider nur die Moͤglichkeit. Vom erſten Tage an wirkte daher auch Alles, was ſie fahlte und dachte, dahin, dieſen