Teil eines Werkes 
2. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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Plötzlich blieb er ſtehen und ſchlug ſich vor die Stirn, wie ein Menſch, der das Weſentlichſte vergeſſen hat, und im Begriff ſteht, wieder umzukehren.

„Ich hätte mein Gewehr mitnehmen ſollen!“ ſagte er zu ſich ſelbſt.

Thénardier war eine jener Erſcheinungen mit doppeltem Geſicht, die zuweilen, ohne daß wir es bemerken, unter uns gehen und verſchwinden, ohne daß man ſie erkannt hat, weil das Geſchick uns nur eins ihrer Geſichter zeigte.

In einer ruhigen Lage beſaß er Alles, was nöthig war, um das zu thun, was man nach Uebereinkommen einen rechtſchaffenen Kaufmann, einen guten Bürger nennt;— dabei wollen wir keineswegs ſagen, daß er das beſaß, was nöthig iſt, um es zu ſein.

Zu gleicher Zeit aber beſaß er auch, wenn gewiſſe Um⸗ ſtände eintraten und gewiſſe Erſchütterungen ſeine andere Natur erſcheinen ließen, Alles, um ein Ungeheuer zu ſein. Er war ein Kneipenwirth, in dem ein Ungeheuer lag. Satan mußte ſich zu Zeiten in irgend eine Ecke der Hütte kauern, in welcher Thénardier lebte, und von dieſem entſetzlichen Meiſterſtücke träumen.

Nach augenblicklichem Zögern dachte er:

„Pah! Sie würden darüber Zeit gewinnen, mir zu entſchlüpfen!“

Und er verfolgte ſeinen Weg, indem er raſch vorwärts ſchritt, und beinahe mit dem Ausdruck der Gewißheit und der Scharfſicht des Fuchſes, der ein Volk Rebhühner wittert.

Als er die Teiche hinter ſich hatte und ſchräg über die große Lichtung geſchritten war, die rechts von der Straße nach Bellevue liegt und ſo zu dem Raſenwege gelangte, der beinahe den Hügel umzieht und das Gewölbe des ehemaligen

Kanals der Gewäſſer der Abtei von Chelles bedeckt, gewahrte er über die Gebüſche hin, einen Hut, über welchen er ſcheu

viele Vermuthungen angeſtellt hatte. Es war der Hut des Die Elenden. III. 12