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Geſchick begann ſie zu berauſchen. Sie wußte nicht, was ein Goldſtück ſei; ſie hatte noch nie eines geſehen und ver⸗ barg es ſchnell in ihrer Taſche, als hätte ſie es geſtohlen. Indeß fühlte ſie, daß es ihr wirklich gehörte, errieth, woher dieſe Gabe kam, empfand aber darüber eine Art von Freude, die mit Furcht gemiſcht war. Sie war zufrieden, beſonders verwundert. Zwei ſo herrliche und ſo ſchöne Dinge ſchienen ihr nicht wirklich zu ſein. Die Puppe flößte ihr Furcht ein, das Goldſtück flößte ihr Furcht ein. Sie zitterte vor dieſer Pracht. Nur der Fremde allein verurſachte ihr keine Furcht; im Gegentheil, er beruhigte ſie. Seit dem ver⸗ gangenen Tage dachte ſie während ihres Staunens, während ihres Schlafes in ihren kleinen Kinderverſtand an dieſen Mann, der ſo alt, ſo arm und ſo traurig ausſah und doch ſo reich und ſo gut war. Seitdem ſie mit dem Manne in dem Walde zuſammentraf, hatte ſich für ſie Alles ver⸗ wandelt. Coſette, die minder glücklich war als die geringſte Schwalbe des Himmels, hatte nie gewußt, was es heißt, ſich unter den Fittig der Mutter zu flüchten. Seit fünf Jahren, das heißt, ſoweit ihre Erinnerung zurückging, zitterte und fror das arme Kind. Sie war ſtets nackt dem ſcharfen Winde des Unglücks preisgegeben geweſen; jetzt kam es ihr vor, als ſei ſie bekleidet. Sonſt empfand ihre Seele Froſt, jetzt fühlte ſie ſich erwärmt.
Coſette hatte nicht mehr ſo viel Furcht vor den Thé⸗
nardiers. Sie war nicht mehr allein; es ſtand Jemand
neben ihr.
Sie hatte ſich ſchnell an ihre tägliche Arbeit gemacht. Das Goldſtück, das ſie bei ſich hatte in eben der Schürzen⸗ taſche, aus welcher den Abend zuvor das Fünfzehn⸗Sous⸗ ſtück gefallen war, machte ſie zerſtreut. Sie wagte nicht, es zu berühren, allein ſie betrachtete es mehrmals, indem ſie, wie wir geſtehen müſſen, dabei die Zunge herausſtreckte. Während ſie die Treppe fegte, blieb ſie ſtehen, regungslos,


