238 Die alte Thürhüterin, die ihn bedient hatte, war unter dieſer Zahl.
Am Abend deſſelben Tages ſaß die würdige Alte in ihrer Loge, noch ganz entſetzt und in trauriges Nachdenken verſunken. Die Fabrik war den ganzen Tag über geſchloſſen geweſen, das Thor war verriegelt, die Straße war verödet. In dem Hauſe befanden ſich nur noch die beiden Nonnen, Schweſter Perpetua und Schweſter Simplicia, welche bei der Leiche Fantinens wachten.
Zu der Stunde, zu welcher Herr Madeleine nach Hauſe zu kommen pflegte, ſtand die ehrliche Thürhüterin maſchinen⸗ mäßig auf, nahm den Schlüſſel zu dem Zimmer des Herrn Madeleine aus einem Schubfache und den Leuchter, deſſen er ſich jeden Abend zu bedienen pflegte, um nach ſeinem Zimmer hinaufzugehen, hing dann den Schlüſſel an den Nagel, von wo er ihn gewöhnlich herabnahm und ſtellte den Leuchter daneben, wie wenn ſie ihn erwartete. Dann ſetzte ſie ſich wieder auf ihren Stuhl und ſann auf's Neue. Die gute arme Alte hatte das Alles gethan, ohne es ſelbſt zu wiſſen.
Erſt nach zwei Stunden erwachte ſie aus ihrer Träu⸗ merei und rief:„Ach ſieh, mein guter Gott Jeſus! Ich habe ſeinen Schlüſſel an den Nagel gehangen!“
In dieſem Augenblick öffnete ſich die Glasthür der Loge, eine Hand ſtreckte ſich durch die Oeffnung, ergriff den Schlüſſel und den Leuchter und zündete die Kerze an dem brennenden Lichte an.
Die Thürhüterin erhob die Augen und blieb mit offenem Munde, den Schrei, der ihr in der Kehle ſteckte, unter⸗ drückend.
Sie kannte dieſe Hand, dieſen Arm, dieſen Aufſchlag des Ueberrocks.
Es war Herr Madeleine.
Einige Secunden blieb ſie, ohne ſprechen zu können,


