234—
iſt Coſette? Ich will mein Kind haben! Herr Madeleine! Herr Maire!“
Javert ſtampfte mit dem Fuße.
„Nun die auch noch! Wirſt Du ſchweigen, Vettel! Ein verfluchtes Land, wo die Galeerenzüchtlinge Beamte werden und wo man die öffentlichen Dirnen pflegt, wie Gräfinnen! Aber das Alles wird ſich ändern! Es war Zeit dazu!“
Er ſah Fantine feſt an und fügte, indem er die Hals⸗ binde, das Hemd und den Kragen Jean Valjeans feſter packte, hinzu:
„Ich ſage Dir, daß hier kein Herr Madeleine und kein Herr Maire mehr iſt. Es iſt hier ein Dieb, ein Spitzbube, ein Galeerenzüchtling, Namens Jean Valjean! Er iſt es, den ich halte! Das iſt die Sache!“
Fantine fuhr heftig in die Höhe, ſtützte ſich auf beide Arme und beide Hände, ſah Jean Valjean an, ſah Javert an, ſah die Nonne an, öffnete den Mund, wie um zu ſpre chen, doch ein Röcheln entrang ſich ihrer Kehle, ihre Zähne ſchlugen aufeinander, ſie ſtreckte in Todesqual die Arme aus, öffnete krampfhaft die Hände, faßte umher, wie ein Ertrin⸗ kender, und ſank plötzlich auf das Kopfkiſſen zurück.
Ihr Kopf ſchlug auf die Bettſtelle und ſank dann auf ihre Bruſt. Ihr Mund war geöffnet, ihre Augen weit offen und erloſchen.
Sie war todt.
Jean Valjean legte ſeine Hand auf die Hand Javerts, die ihn hielt, öffnete ſie, wie man die Hand eines Kindes öffnet und ſagte zu Javert:
„Sie haben dieſes Weib getödtet!“
„Wirſt Du zu Ende kommen?“ ſchrie Javert wüthend. „Ich bin nicht hier, um Vernunftgründe zu hören. Sparen wir das Alles; die Wache iſt unten. Vorwärts ſogleich, oder die Handſchellen!“
—


