— 13——
Die Reiſende erzählte ihre Geſchichte, etwas verändert.
Sie war Arbeiterin; ihr Mann war geſtorben; die
Arbeit fehlte ihr in Paris, und ſie wollte ſie anderwärts ſuchen, in ihrer Heimath; ſie hatte Paris an eben dem Morgen zu Fuß verlaſſen; da ſie, ihr Kind tragend, ermü— det geweſen und den Wagen von Villemomble traf, hatte ſie ihn benutzt; von Villemomble war ſie wieder zu Fuß nach Montfermeil gekommen; die Kleine war ein wenig ge⸗ gangen, doch nicht viel, denn ſie war noch ſo jung, ſie mußte ſie daher wieder auf den Arm nehmen, und die liebe Kleine war eingeſchlafen.
Bei dieſem Worte gab ſie ihrem Mädchen einen leiden⸗ ſchaftlichen Kuß, durch den ſie die Kleine erweckte. Das Kind öffnete die Augen, große blaue Augen, wie die ihrer Mutter, und ſah— was? ja Alles mit jenem ernſten und zuweilen ſtrengen Weſen der kleinen Kinder, welches ein Myſterium ihrer leuchtenden Unſchuld vor unſerm Däm⸗ merlicht der Tugend iſt. Man könnte glauben, ſie fühlen ſich als Engel, und wiſſen, daß wir Menſchen ſind. Dann lachte das Kind und obgleich die Mutter es zurückhalten wollte, glitt es mit der unbezähmbaren Entſchloſſenheit eines kleinen Weſens, das lanfen will, zur Erde nieder. Plötzlich bemerkte es die beiden andern auf ihrer Schaukel, blieb ſtehen und ſtreckte zum Zeichen der Bewunderung die Zunge heraus.—
Die Mutter Thénardier band ihre Töchter los, hob ſie von der Schaukel herunter und ſagte:
— Unterhaltet Euch alle drei.
Dieſes Alter wird leicht miteinander bekannt, und nach eeiner Minute ſchon ſpielten die kleinen Thénardiers mit der Neuangekommenen, indem ſie Löcher in die Erde machten — ein ungeheures Vergnügen.
Dieſe Neuangekommene war ſehr luſtig; die Güte der Mutter zeigt ſich in der Heiterkeit des Kindes; ſie hatte


