Teil eines Werkes 
1. Abt., 2. Bd. (1863)
Entstehung
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Engel iſt eine Verkündung des Paradieſes. Sie glaubte über dem Wirthshauſe das geheimnißvolle H JER der Vor⸗ ſehung zu erblicken. Dieſe beiden Kleinen waren augen⸗ ſcheinlich glücklich. Sie betrachtete ſie, bewunderte ſie ſo gerührt, daß ſie in dem Augenblicke, als die Mutter zwiſchen zwei Strophen ihres Geſanges Athem ſchöpfte, ſich nicht enthalten konnte, an ſie die erwähnten Worte zu richten:

Sie haben da zwei hübſche Kinder, Madame.

Die wildeſten Geſchöpfe werden entwaffnet, wenn man ihre Jungen liebkoſt.

Die Mutter erhob den Kopf und dankte, und forderte dann die Vorübergehende auf, ſich auf der Steinbank neben der Thür zu ſetzen; ſie ſelbſt ſaß auf der Schwelle. Die beiden Frauen plauderten miteinander.

Ich heiße Madame Thénardier, ſagte die Mutter der Kleinen.Wir halten dieſes Wirthshaus.

Dann immer noch in ihrer Romanze fortfahrend, ſang ſie zwiſchen den Zähnen:

So muß es ſein, denn ich bin Ritter, Nach Paläſtina zieh ich hin.

Dieſe Madame Thénardier war eine rothhaarige, flei⸗ ſchige, eckige Frau; das Muſter eines Soldatenweibes in ihrer ganzen Anmuthsloſigkeit. Und ſonderbar genug hatte ſie dabei eine Neigung zu romantiſcher Lectüre. Sie war ein mannhafter Zieraffe. Alte Romane, die ſich in der Einbildungskraft von Sudelköchinnen eingeniſtet haben, bringen ſolche Wirkungen hervor. Sie war noch jung, kaum 30 Jahre alt. Hätte dieſe Frau, die jetzt gekauert ſaß, ſich aufge⸗ richtet, ſo würde vielleicht ihr hoher Wuchs und die Breite ihrer Schultern, welche einem, die Märkte beſuchenden, Coloß anzugehören ſchienen, die Reiſende gleich anfangs erſchreckt, ihr Vertrauen geſtört und das verhindert haben, was wir erzählen wollen. Eine Perſon, die ſitzt, ſtatt zu ſtehen davon hängt manches Geſchick ab.