wieder Bäuerin zu werden. Sie war jung. War ſie ſchön? Vielleicht; aber bei dieſem Anzuge ſchien ſie es nicht zu ſein. Ihre Haare, von denen eine Locke ſichtbar war, ſchienen ſehr dicht, verſchwanden aber unter einem häßlichen engen, am Kinn gebundenen Beguinenhäubchen. Das Lachen zeigt die ſchönen Zähne, wenn man welche hat; aber ſie lachte nicht. Ihre Augen ſchienen ſeit langer Zeit nicht trocken geworden zu ſein. Sie war blaß, ſah ſehr erſchöpft aus und ein wenig krank; ſie blickte auf ihr in ihren Armen ſchlafendes Mädchen mit jenem eigenthümlichen Ausdruck einer Mutter, die ihr Kind ſelbſt geſtillt hat. Ein großes blaues Tuch, wie die, mit denen die Invaliden ſich ſchnau⸗ ben, war als Umſchlagtuch zuſammengelegt und verbarg ſchwerfällig ihre Taille. Ihre Hände waren von der Luft gebräunt und zeigten röthliche Flecken, einen durch die Nadel gehärteten und zerſtochenen Zeigefinger; ſie trug ein kurzes Mäntelchen von grobem Wollenſtoff, ein Leinwandkleid und grobe Schuhe. Es war Fantine.
Es war Fantine. Schwer wieder zu erkennen. Sah man ſie indeß genauer an, ſo beſaß ſie noch immer ihre Schönheit. Ein trauriger Zug, der einem Anfang der Ironie glich, furchte ihre rechte Wange. Was ihren Anzug betrifft, ſo war jene luftige Toilette von Muſſelin und Bändern, die mit Heiterkeit, Thorheit und Muſik geſchaffen zu ſein ſchien, die voller Zierrath und von Flieder gewürzt, ver⸗ ſchwunden, wie die ſchönen glänzenden Reifperlen, die man in der Sonne für Diamanten hält, die aber ſchmelzen, und den Zweig, an dem ſie hingen, ſchwarz zurücklaſſen.
Zehn Monate waren ſeit der„guten Poſſe“ verfloſſen.
Was hatte ſich während dieſer zehn Monate zuge⸗ tragen? Man kann es errathen.
Auf die Verlaſſenheit war die Verlegenheit gefolgt. Fantine hatte ſogleich Favourite, Zephire und Dahlia aus den Augen verloren. Die von Seiten der Männer zerriſſene


