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Kette hatte ſich von Seiten der Frauen gelöſt; ſie wären vierzehn Tage darauf ſehr verwundert geweſen, wenn man ihnen geſagt hätte, daß ſie Freundinnen waren; dazu gab es gar keinen vernünftigen Grund mehr. Fantine war allein geblieben. Als der Vater ihres Kindes fort war— ach dergleichen Trennungen ſind unwiderruflich— erblickte ſie ſich ganz allein, mit der Gewohnheit der Arbeit weniger und dem Geſchmack an Vergnügungen mehr vertraut. Durch ihre Verbindung mit Tholomyeès dahin gebracht, die kleine Arbeit, die ſie konnte, zu verachten, hatte ſie ihre Kunden vernachläßigt; ihre Quellen waren verſiecht. Kein Hülfsmittel. Fantine konnte kaum leſen und gar nicht ſchreiben; in ihrer Kindheit hatte man ſie nur gelehrt, ihren Namen zu unterzeichnen; durch einen öffentlichen Schreiber hatte ſie an Tholomyès einen Brief ſchreiben laſſen, dann einen zweiten, dann einen dritten. Tholomyés antwortete auf keinen. Eines Tages hörte Fantine Klatſchgevatterinnen, indem ſie ihre Tochter betrachteten, ſagen:„Nimmt man dergleichen Kinder ernſt⸗ haft? Man zuckt die Achſeln über ſolche Kinder!“— Nun dachte ſie an Tholomyès, der die Achſeln über ſein Kind zuckte und dies unſchuldige Weſen nicht ernſthaft nahm, und ihr Herz verfinſterte ſich in Beziehung auf dieſen Menſchen. Was ſollte ſie indeß thun? Sie wußte nicht mehr, an wen ſie ſich wenden ſollte. Sie hatte einen Fehltritt begangen, aber die Grundlage ihrer Natur war, wie man ſich erinnern wird, Keuſchheit und Tugend. Sie fühlte unbeſtimmt, daß ſie auf dem Punkte ſtand, in Noth zu gerathen und in noch Schlimmeres hinabzuſinken. Sie bedurfte Muth, ſie hatte ihn, und richtete ſich kräftig empor. Es kam ihr der Ge⸗ danke, in ihre Geburtsſtadt nach M. am M. zurückzukehren. Dort erkannte ſie vielleicht Jemand und gab ihr Arbeit; ja, aber ſie mußte ihren Fehltritt verhehlen. Sie erblickte un⸗ deutlich, die mögliche Nothwendigkeit einer Trennung, die noch ſchmerzlicher war, als die erſte. Ihr Herz zog ſich
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