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Enguerrand von Lamalgue : der letzte Troubadour der Provence / von George Hesekiel
Entstehung
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er

Provengale ſeinen breitkrämpigen Hut ehrfürchtig und ſprach:Ihr ſeid der gute Herr von Lamalgue, fern ſei's von mir, den Stolz und den Ruhm des Landes hier aufzu⸗ halten, ſelbſt in der Nacht vor Sanct Johannistag, dem großen Feſttag, vor dem die Sonne ſelbſt ehrfürchtig ſtill ſteht, reitet mit Gott zu Eurer Dame, Meſſire, aber befehlt Euren Dienern, daß ſie eine Stunde hier harren, Ihr ſeid ſicher bis Montcorbeil!

Zerſtreut gab Herr Enguerrand den Befehl ſeinem Ge⸗ folge, er kannte wohl den Brauch im alten Lande der Pro⸗ vence. In der Nacht vor St. Johannistag, da graben die Mädchen jeder Gemeinde eine tiefe Grube in der Flur, die Grube füllen ſie mit klarem Waſſer und werfen Blumen hinein, von jeder Blume einen Strauß, und wenn's Mitternacht wird, dann entkleiden ſie ſich und tauchen ihre jungen Leiber in die Fluth der Blumen und des Waſſers, und wenn ſie die blühenden Glieder alſo gebadet, dann faſſen ſie ſich an den Händen und tanzen einen Ringeltanz um das Blumenbad und ſingen dazu ein uraltes Lied, bis die laue Nachtluft das Waſſer abgetrocknet von ihren weißen Gliedern.

So iſt's ein uralter Brauch in der Provence von dem Meere bis zu den Bergen. Solch Sanct Johannis⸗ nachtbad aber hält jung und friſch, Beides, ſo Leib wie Seele. Die Väter aber der Jungfrauen, ſie ſtehen Wacht an den Zugängen zur Flur, daß keines Lauſchers lüſtern Auge die nackten Mädchen ſchaue im Blumenbade und beim Ringeltanz im Mondenlicht.

Man würde keinem Mann verſtattet haben, über eine ſolche Wieſe zu reiten in der Nacht vor Sanct Johannis⸗ tag, mit Herrn Enguerrand von Lamalgue aber war das