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Enguerrand von Lamalgue : der letzte Troubadour der Provence / von George Hesekiel
Entstehung
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der fürſtlichen Wittwe, den doch die andern Vettern für ſalomoniſch weiſes Urtheil laut erklären. Meiſter Jacques von Menilmontant, Capitoul und Parlamentsrath von Toulouſe, tritt vor und neigt ſich zierlich vor den Damen, dann nimmt ein feines Tüchlein er bei Seite, enthüllt ein Bild und läßt ſich nieder auf ſein linkes Knie, der ſchönen Meluſine das Bild als Feſtgeſchenk darbietend ſpricht er mit leiſer Stimme dieſe Verſe:

Auf dieſem Bilde ſchau' o holde Dame, Wie Claudia, die Kön'gin, küßt Mit rothem Mund des Dichters bleiche Lippe, Dem ſolche Gunſt im Schlaf geworden iſt, O, möchte mir von Dir ein gleiches Glück beſcheeret werden, Ich wäre dann ſchon ſelig hier auf Erden.

Die liebreizende Meluſine nahm die Gabe ihres Vet⸗ ters, erhob ſich und ſprach in der lingua volgare impro⸗ viſirend mit reizender Bosheit:

Mein ſchöner Herr, der Kön'gin Claudia Kuß Galt Alain Chartrain's ſüßem Dichtergruß, Ihr moͤgt wohl ſchöner viel als Alain Chartrain ſein, Doch Eure Verſe bringen keinen Kuß Euch ein!

Die kleine Verſammlung applaudirte lebhaft. Bleicher noch als vorher erhob ſich der Parlamentsrath, die Fürſtin von Tarent aber flüſterte ihm zu:'Vetter, Themis und die Muſe vertragen ſich nicht, ein berühmter Rechtsgelehr⸗ ter, wie Ihr, wird ſtets in ſolchen Kindereien unterliegen!

Wie die Sonne leuchtete das Antlitz des Parlaments⸗ raths, als er ſich zurückzog. So vermied die kluge Fürſtin von Tarent den Mißklang in der Harmonie des Feſtes.