39
Erſt ſpät in der Nacht, als die unholde Brü⸗ derſchaft lange hinweggezogen war, überkamen den Traurenden ſanftere Rührungen. Er war allein mit dem Todten und dem Todtenwächter. Der Todte lag, auf dem Fußboden ausgeſtreckt, in ein großes Linnentuch gehüllt, das ihn ins Grab be⸗ gleiten ſollte. Ephraim benutzte einen Moment, wo der Todtenwächter eingeſchlummert war, um gegen die Regel das Tuch von dem Geſichte des Todten zurückzuſchlagen. Die Züge waren ruhig und feſt wie im Leben des kräftigen Mannes. Dieſer Anblick that ihm wohl, er hatte mit Angſt erwartet, einer grimmig verzerrten Miene zu be⸗ gegnen.—„Habe Dank für dieſen freundlichen Aus⸗ druck,“ ſagte Ephraim wehmüthig,„du trefflicher Menſch, der im Kittel des Sackträgers ein Herz voll Liebe und muthiger Kraft getragen. Dein Schickſal war freundlicher als das deines armen gequälten Kindes. Die Laſten, die du trugſt, drück⸗ ten dich nicht, wie das Elend der Menſchheit, un⸗
Her dem mein Herz ſchmerzvoll zuckt. Dir war es vergönnt, den Gegenſtand deiner Liebe mit Freude
und Hoffnung heranwachſen zu ſehen, du warſt glücklichs ſür deinen Sohn zu arbeiten, und beim


