Teil eines Werkes 
2. Bd. (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

33

ſo ſehr vor dem durchgeiſtigten Weſen und der ſchlagfertigen Sicherheit des jungen Gelehrten. Dieſe Scene wurde bekannt, und die Verläum⸗ dung wagte nicht mehr ſich offen gegen den Jüng⸗ ling zu erheben, obgleich der Zweifel im Stillen fortglimmte. Erſt Ephraims Beſuch im Kloſter, wenige Stunden vor dem Beginn des furchtbaren Verſöhnungsfeſtes, ließ den Zweifel an ſeiner Recht⸗ gläubigkeit zur hellen Flamme auflodern, die von den Neidern ſeines Ruhmes mächtig geſchürt wurde.

Als des Abends der Gottesdienſt begann, blick⸗ ten Viele nach dem Platze, den der junge Gelehrte in der Synagoge einzunehmen pflegte. Aus Rück⸗ ſicht für ſeinen alten Vater hatte ſich Ephraim bisher ſtets in der Synagoge eingefunden, wo er, nach der Weiſe der Frommen den Kopf in den weißen wollenen Shawle gehüllt, ſich ſeinen Ge⸗ danken überlaſſen konnte, ohne daß Jemand wußte, ob er den alten Gott des Moſes anrief oder zu der erhabenen Idee des Weltgeiſtes ſich erhob. An dieſem feierlichen Abend blieb jedoch Ephraims Platz unbeſetzt. Seine Abweſenheit würde auch an andern Feſttagen einiges Aufſehen gemacht ha⸗ ben, an dieſem großen Abend ward ſie bei der

II. 3