——
9
ſeele ſich abſpiegeln konnte, und einer Schweſter freundlichen Anblick hatte ihm das Geſchick nicht beſchieden. Die alte verdrießliche Wirthſchafterin ſeines Vaters war die einzige Repräſentantin des ſchönen Geſchlechtes zu der er ſein Auge erhoben, denn ſeinen Weg zur Schule und zur Synagoge hatte er gewöhnlich ſo raſch, und das Auge ge⸗ dankenvoll zu Boden gerichtet, zurückgelegt, daß ihm das Leben in ſeiner Gemeinde beinahe ſo fremd war, als wenn er hundert Meilen davon entfernt geweſen wäre.
Die Begeiſterung Ephraims erweckte in dem Mönch die Erinnerung an den Moment, wo er ſelbſt das lebendige Original dieſes ſchönen Bil⸗ des zum erſten Mal erblickt hatte, mit ſo lebhaf— ten Farben, daß der Schmerz um ihren Verluſt ſein Herz wie mit tauſend Dolchen zerſchnitt. Er ließ raſch den Schleier über das Bild fallen, und wäre faſt kraftlos zu Boden geſtürzt, wenn ihn nicht Ephraim, der ihn wanken ſah, mit dem kräf⸗ tigen Arm der Liebe umfaßt hätte. Er ließ ihn ſanft in ſeinen Lehnſeſſel niedergleiten, und neigte ſich traurig über den tiefgebeugten Mann hin.
Nach einigen Minuten hatte der Mönch wieder


