Bie ltloſter⸗Zelle. 49
Daſeyn einer geheimen, unerklaͤrlichen Sympathie zwi⸗ ſchen ihm und der Nonne.
Seine Wangen gluͤhten, und er verlieh ſeinen Blicken den zaͤrtlichſten Ausdruck deren ſie nur faͤhig waren. Er ſah wie eine ploͤtzliche Roͤthe auf der blaſ⸗ ſen Stirn der Nonne ihm antwortete, und ein Laͤcheln, das ihn mit Schmerz und Wonne durchſchauerte, einen Augenblick lang auf ihren bleichen Lippen ſpielte. Dann ſank ihr Auge zu Boden, und ihre Zuͤge nahmen wieder den vorigen ruhigen und gleichbleibenden Ausdruck an.
Doch konnte er ſeine Augen nicht von ihr wen— den, obgleich ein ſonderbares Gemiſch von Empfin⸗ dungen ihn uͤbermannte. Liebte ſie ihn ſchon? Konnte denn das moͤglich ſeyn? und war ihr jetziges nieder— geſchlagenes Anſehn die Folge des Kampfes der Sitt⸗ ſamkeit gegen heftige Neigung? Sie war wol un— gluͤcklich— ſchlecht behandelt— tyranniſirt,— und richtete nun ihre Hoffnung und Bitte an ihn, um Schutz und Huͤlfe! Aber konnte nicht auch irgend eine ſchwarze, hinterliſtige Abſicht ihr dieſen anziehen⸗ den Blick dargeboten haben? Doch dieſen Zweifel gab er ſogleich als unmaͤnnlich und ungerecht auf. Nur das Eine war und blieb gewiß— ſie hatte ihn auf eine ganz beſondere und ausgezeichnete Weiſe angeſe⸗ hen, ſie hatte ſeinen Blick bemerkt und erwiedert. In⸗ ſoweit war er ſchuldig, und ſie hatte ſich vergeſſen.
II. 3


