Die lloſter⸗Zelle. 47
fuͤr die Fremden romantiſche Lage ausgenommen, we⸗ nig Anziehendes. Man kann ſich leicht die Wirkung vorſtellen, welche dieſe Nonnen auf die beiden Nord⸗ amerikaner machten, die auf der Jagd nach allem Pit⸗ toresken in Europa ſich befanden, wie Beide jetzt den feierlichen Klaͤngen der Orgel zuhoͤrten, die alten Pfei⸗ ler anſtaunten und ihren Geiſt auf dieſe Gruppe from— mer Frauen richteten, die intereſſanter waren, als Alles, was ſie umgab. Die Freunde waren einander jedoch an Charakter nicht gleich. Der eine war ruhig, be⸗ rechnend und kalt, der andere feurig, empfaͤnglich und enthuſiaſtiſch. Der eine ſah auf die Nonnen, wie er eine Reihe von hiſtoriſchen Gemaͤlden, als eben ſo viele Dokumente fuͤr Sitten nnd Gebraͤuche, betrach⸗ tet haben wuͤrde, deren Urſprunge und Wirkungen er nachforſchte; der andere uͤberließ ſich dem Anſchauen der Schweſtern mit aller Waͤrme lebendiger Erregung, dachte uͤber ihre Entfernung von der Welt nach, und waͤre gern in den geheimen Schrein ihrer Herzen eingedrungen.
Nach kurzer Zeit ward er aber zu noch beſtimm— terer und naͤherer Richtung ſeiner Gedanken dadurch veranlaßt, daß er ganz deutlich bemerkte, wie eine der Nonnen, die den meiſten Anſpruch auf Schoͤnheit machen konnte, ihre Blicke mit ungewoͤhnlicher Staͤ⸗ tigkeit und ſo bedeutend auf ihn richtete, daß er ſelbſt dadurch am Ende in nicht geringe Verlegenheit gerieth.


