34 Skizzen aus Belgien.
nen Nationen auszeichnen, und die daraus nothwen⸗ dig folgende Charakterunentſchiedenheit giebt ihm eine Phyſiognomie, die daher ſo ſchwer von dem Pin⸗ ſel des Beſchreibers aufgefaßt werden kann. Wir ſind weder Deutſche, noch Spanier, noch Franzoſen. Wir haben von allen dieſen ein wenig Gutes aufgeleſen, und vieles Ueble von uns geworfen. Wir ſind nicht mehr und nicht weniger Belgier geblieben, aber mit all' dem Entgegengeſetzten eines Charakters, welche Fremde, die ihn nicht ſtudirt haben, ſo ſehr in Ver⸗ legenheit ſetzt. Erſcheint ein Belgier gleichguͤltig und kalt, ſo iſt er dies weniger in der That, als weil es nun einmal ſo hergebracht iſt; er iſt oͤkonomiſch, ohne wirklich geizig zu ſein; macht es ſich gern bequem, iſt leidenſchaftlos, Neuerungen abgeneigt, zugleich maͤßig und doch auch lecker, beſcheiden und doch auch einge⸗ bildet, kalt in ſeiner Liebe, und ſchrecklich in ſeiner Feindſchaft— er ſcheint, wie ich eingeſtehen muß, ein ewiges unaufgeloͤſetes Raͤthſel zu ſein, und entfaltet eine Charakter⸗Vielheit, die nur bei ihm allein ſtattfindet.“
Dies war, ſo viel ich mich erinnere, die letzte Sentenz die ich von meinem Lehrer hoͤrte, denn mir begegnete ein Zufall, der hoffentlich bei meinen Leſern nicht auch eintreten wird— ich ſchlief naͤmlich feſt ein, und wir befanden uns bereits an den Thoren von Ypern, als ich erſt erwachte. Mein Gefaͤhrte brummte unbekuͤmmert ſein Liedchen vor ſich hin, und als ich


