Die Gränze. 15
verſchieden, weil ſie ihre Graͤnzen anzeigen koͤnnen, und indem ſie ſo der ſichtlichen Begraͤnzung eine ge⸗ wiſſe magiſche Kraft beilegen, dem Boden oder Klima — wenn auch in ihnen keine Verſchiedenheit ſtattfin⸗ det,— Wirkungen zuſchreiben, die bloß aus entgegen⸗ geſetzten Einrichtungen, die ſich auf das Gefuͤhl einer getrennten Unabhaͤngigkeit begruͤnden, entſpringen. So vermiſcht ſich alſo ihr Stolz mit der Liebe zum Va⸗ terlande, waͤhrend Haß und Verachtung des Nachbars, der jetzt Nebenbuhler iſt, und Feind werden kann, die natuͤrliche Folge davon, die Schlacke, in welcher das Erz verborgen iſt, ſcheint. Das eine abzuwerfen und das andere zu behalten, eine allgemeine Neben⸗ buhlerſchaft zu foͤrdern und eine rohe Feindſchaft ab⸗ zuſtumpfen, ſollte das wahre Streben der Civiliſa⸗ tion und der große Gegenſtand einer guten Regierung ſeyn. Um dem Volke aber dieſe Gefuͤhle in Bezug auf ihre Nachbarn und ſich ſelbſt beizubringen, ſcheint eine bezeichnete und ſichtliche Graͤnze zwiſchen ihnen weſentlich noͤthig. Napoleon behauptete, der Rhein ſey die natuͤrliche Graͤnze Frankreichs. Von dem Ge⸗ ſichtspunkte aus, wo ich dieſe Angelegenheit aufgefaßt habe, iſt dieſes, oder etwas dem aͤhnliches, gewiß entſchie⸗ den wahr. Aber das Poſſenſpiel von einer Graͤnze, die zwiſchen Frankreich und den Niederlanden ſtattfindet, iſt fuͤr die Gefuͤhle, denen ich das Wort rede, gaͤnz⸗ lich zerſtoͤrend, und miſcht jetzt die Eingebornen ſo


