12 Skizzen aus Velgien.
ſchleier, der wie ein feingeſponnenes Gewebe den frucht⸗ baren Boden zu bedecken ſcheint, nimmt ſitzt den An— ſchein eines ungeſunden Nebels an, welcher Krankheit erzeugt und Tod beherbergt. Die Kirchthuͤrme, die ſich um uns her erheben, ſcheinen Bilder einer an⸗ maßenden Kleriſei, die durch ſie uͤber das Land gebie⸗ tet. Nichts ergreift uns romantiſch, wild oder pitto⸗ resk, und wir bereiten uns vor, in dieſe niedere Ge⸗ gend hinabzuſteigen, ſchon muͤde von ihrer Eintoͤnig⸗ keit und halb erſtickt in der Vorahnung ihrer ſumpfi⸗ gen Atmoſphaͤre.
Es kann dem Leſer ſehr gleichguͤltig ſeyn, zu wel⸗ cher Zeit ich auf dem Berge von Caſſel ſtand, und ob bei meinem erſten oder letzten Beſuche der Eindruck auf mich erfolgte, den ich nach den Rechten und Freihei⸗ ten eines Schriftſtellers als allgemein guͤltig angenom⸗ men habe, ſo wie, ob meine Gefuͤhle ihre Farbe von der Gegend um mich her erhielten, oder ſie mit zu ihr brachten. Moͤgen aber auch immer verſchiedene Perſonen auf ganz andere Art, ihren individuellen Eigenthuͤmlichkeiten nach, dadurch ergriffen werden, ſo erweckt ſie doch ganz ſicher ein gewiſſes Gefuͤhl fuͤr Alle, das ſich nicht unmittelbar auf die Stelle be⸗ ſchraͤnkt, welche ich beſchrieb, ſondern aus jeder An⸗ ſicht auf eine reiche, friedliche, einſame Landſchaft ent⸗ ſteht, und dies um ſo mehr, je milder das Wetter und je reiner der Himmel iſt. Ich meine naͤmlich


