Teil eines Werkes 
33.-36. Bändchen (1850)
Entstehung
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Beleidigung Eurer Lippen iſt mir lieber, als ein Ver⸗ dacht Eures Herzens.

Ich bewundere Eure Feinheit, mein Fräulein, ſprach Raoul, der ſich anſtrengte, um ruhig zu bleiben, nicht wiſſen laſſen, daß man hintergeht, iſt redlich; aber hintergehen, es ſcheint, das wäre ſchlimm, und Ihr würdet das nicht thun. 4

Mein Herr, lange glaubte ich, ich liebe Euch mehr, als Alles, und ſo lange ich an meine Liebe für Euch glaubte, ſagte ich Euch, daß ich Euch liebte. In Blois liebte ich Euch. Der König kam nach Blois. Ich glaubte Euch noch zu lieben. Ich hätte es auf einen Altar geſchworen; doch es kam ein Tag, der mich enttäuſchte.

Wohl! an dieſem Tag, mein Fräulein, da Ihr ſahet, ich liebe Euch fortwährend, mußte Euch die Red⸗ lichkeit gebieten, mir zu ſagen, Ihr liebet mich nicht mehr.

An dieſem Tage, Raoul, an dem Tag, wo ich bis

im Grunde meines Herzens las, wo ich mir ſelbſt ge⸗

ſtand, Ihr erfüllet nicht meinen ganzen Geiſt, an die⸗

ſem Tag, wo ich eine andere Zukunft erblickte, als die,

Eure Freundin, Eure Geliebte, Eure Gattin zu ſein,

an dieſem Tag, Raoul, waret Ihr leider nicht bei mir.

Ihr wußtet, wo ich war, mein Fräulein, Ihr mußtet mir ſchreiben.

Raoul, ich habe das nicht gewagt, Raoul, ich bin feige geweſen! Was wollt Ihr, Raoul, ich kannte Euch ſo gut, ich wußte ſo wohl, daß Ihr mich liebtet, daß ich ſchon bei dem Gedanken an den Schmerz, den ich Euch machen ſollte, zitterte; und das iſt ſo wahr, Raoul, daß in dieſem Augenblick, wo ich, vor Euch ge⸗ beugt, das Herz gepreßt, die Stimme voll Seufzer, die Augen voll Thränen, mit Euch ſpreche, ſo wahr, daß ich wie ich keine andere Vertheidigung habe, als meine Offenherzigkeit, auch keinen andern Schmerz habe, als den, welchen ich in Euren Augen leſe.

V